
Das Seminar untersucht die Kunsttheorien der russischen Avantgarde nicht primär als Abfolge kanonischer Figuren, sondern als ein Ensemble zentraler ästheti-scher Grundbegriffe und künstlerischer Praktiken. Im Zentrum stehen Konzepte wie Verfremdung, Konstruktion, Produktion, Montage, Bewegung, Masse und Maschine, die in unterschiedlichen Kunstformen – Literatur, bildende Kunst, Film, Theater, Tanz und Architektur – theoretisch reflektiert und praktisch erprobt wurden. Anhand ausgewählter Positionen (u. a. Šklovskij, Malevič, Rodčenko, Arvatov, Mejerhold, Eisenstein, Tarabukin) wird gezeigt, wie die Avantgarde Kunst als epistemisches, soziales und politisches Experiment ver-stand. Abschließend thematisiert das Seminar die Transformation der Avant-garde unter den Bedingungen des Stalinismus (Groys, Paperny) und diskutiert die Frage nach Kontinuität, Bruch und Nachleben avantgardistischer Konzepte. Das Seminar richtet sich an Studierende der Slavistik, Kulturwissenschaft und Philosophie mit Interesse an ästhetischer Theorie, Medien- und Ideengeschich-te.
- Kursleiter/in: Nikolaj Plotnikov