Fragebogen

Neben den klassischen mündlichen Erhebungsmethoden wie narrativen oder Leitfadeninterviews und Gruppendiskussionen gibt es auch schriftliche Verfahren. Hierzu zählen qualitative Fragebogenmethoden, die im Vergleich zu mündlichen Interviews seltener eingesetzt werden, aber ebenfalls wichtige Daten liefern können.

Qualitative Fragebögen sind meist un- oder halbstrukturiert und enthalten offene Fragen, die den Befragten erlauben, sich schriftlich in eigenen Worten zu äußern. Gerade im Gesundheitswesen bieten sie die Möglichkeit, sensible oder persönliche Erfahrungen zu erfassen, etwa von Patient:innen mit chronischen Erkrankungen oder Angehörigen pflegebedürftiger Personen, die möglicherweise eher schriftlich als mündlich über ihre Perspektiven berichten möchten.

  • Bei unstrukturierten schriftlichen Befragungen werden die Teilnehmenden oft gebeten, ausführliche Aufsätze oder autobiografische Erzählungen zu verfassen, z. B. über persönliche Krankheitserfahrungen, Behandlungsverläufe oder die Bewältigung von Gesundheitsproblemen. Diese Methode erlaubt es, subjektive Sichtweisen sehr offen und individuell darzustellen und kann wichtige Einsichten in die Lebenswelt der Betroffenen geben.
  • Halbstrukturierte schriftliche Befragungen arbeiten mit einem Fragenkatalog offener Fragen, der von den Befragten flexibel beantwortet wird. Dies entspricht dem schriftlichen Pendant zu halbstrukturierten Leitfadeninterviews und kann zum Beispiel genutzt werden, um systematisch unterschiedliche Aspektive der Gesundheitsversorgung aus Patient:innen- oder Fachpersonalperspektive zu erfassen.

Qualitative Fragebögen können auch projektive Elemente enthalten, etwa durch Satzergänzungen oder bildliche Reize, um verborgene Einstellungen oder Motive zu erfassen. Solche Verfahren eignen sich besonders, um beispielsweise Stigmatisierungserfahrungen oder emotionale Einstellungen im Gesundheitskontext besser zu verstehen.

Die schriftlichen Verfahren erfordern besondere Aufmerksamkeit hinsichtlich der Akzeptanz und der Schreibfähigkeit der Zielgruppe sowie einer sorgfältigen Gestaltung und Erprobung der Fragebögen.

Vor- und Nachteile der verschiedenen Varianten von Leitfadeninterviews

 

Ausblick

In dieser Lerneinheit stand das Interview als eine zentrale Methode der qualitativen Datenerhebung im Fokus. Verschiedene Interviewformen – vom narrativen Interview über das Leitfadeninterview bis hin zu spezialisierten Varianten wie dem Experten- oder dem fokussierten Interview – wurden vorgestellt. Deutlich wurde dabei, wie vielfältig Interviews im Gesundheitswesen einsetzbar sind, um subjektive Sichtweisen, fachliche Einschätzungen oder Reaktionen auf konkrete Materialien zu erfassen.

In der nächsten Lerneinheit steht eine weitere Erhebungsmethode im Mittelpunkt: die Fokusgruppendiskussion. Sie eignet sich besonders dann, wenn nicht nur einzelne Stimmen gehört, sondern der Austausch zwischen mehreren Personen beobachtet werden soll.




Logo des Projekts DIM-Ruhr
Logo des Förderers Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt
Creative Commons Lizenz BY 4.0

 Dieses Werk ist lizenziert unter einer Creative Commons Namensnennung 4.0 International Lizenz (CC BY 4.0) .

Universität Witten/Herdecke, Projekt DIM-Ruhr

Zuletzt geändert: Montag, 23. März 2026, 12:25