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Das Seminar findet 14-tägig in einer Doppelsitzung statt und wird gemeinsam von Dr. Paul Buckermann (Soziologe, Kulturwissenschaftliches Institut Essen), Dr. Roxanne Phillips (Literaturwissenschaftlerin, Kulturwissenschaftliches Institut Essen) und Dr. Morten Paul unterrichtet. Alle Informationen zum Ablauf erhalten Sie in der ersten Seminarsitzung.

Ob Fast Fashion, Energy Drinks oder die Liebe zum Reality-TV – Guilty Pleasures sind Legion. Mit dem Begriff wird ein seltsam gemischtes Gefühl zwischen Lust, Scham und Reue bezeichnet. Diese Gefühlsmixtur gilt als ein Phänomen des späten 20. Jahrhunderts: Sie entsteht aus dem Individualitätsversprechen des Konsums unter Bedingungen der Massenproduktion und verweist gleichzeitig auf ein wachsendes Bewusstsein seiner sozialen, ökologischen und politischen Folgen.

Auffällig ist aber, dass allenthalben und unablässig über Guilty Pleasures gesprochen wird – sei es auf Social Media oder beim unverfänglichen Small Talk. Mit der vermeintlich schambehafteten Freude geht also scheinbar fast notgedrungen ihr Geständnis einher, das darüber hinaus eher vergnügt als verschämt geäußert wird. Guilty Pleasures drängen zur Sprache – und so sind sie auch vielfach Gegenstand literarischer Texte geworden. Was animiert dieses Gespräch über unsere sündigen Freuden? Und was steht mit ihnen kulturell und gesellschaftlich eigentlich auf dem Spiel?

Diesen und weiteren Fragen geht das Seminar einerseits mithilfe von Theorien zu Distinktion, Geschmack, Geltungskonsum und sozialer Grenzziehung nach. An Guilty Pleasures lässt sich diskutieren, inwiefern die Soziologie des Geschmacks Einsichten für eine Gegenwart bereithält, der klare Gegensätze und Geschmacksurteile abhandengekommen scheinen. Andererseits blicken wir mit literarischen Verarbeitungen dieses Sprechens auf seine lange (Vor-)Geschichte zurück. Ästhetische Theorien, die die Unterscheidungen in Hoch- und Unterhaltungskultur kritisch befragen, über Warenästhetik und Werbung nachdenken oder direkt die Populärkultur zum Ausgangspunkt ihres Literaturverständnisses machen, weisen darauf hin, dass die Frage nach dem legitimen und illegitimen Geschmack ins Herz der modernen Literatur führen könnte.

Die Seminarmaterialien werden rechtzeitig im Moodle-Kursraum zur Verfügung gestellt.

Semester: WiSe 2026/27
Selbsteinschreibung (Teilnehmer/in)
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