Dass Organisationen nicht geschlechtsneutral sind, ist in der Frauen- und Geschlechterforschung seit Jahrzehnten so etwas wie ein „Common Sense“. Im Alltagswissen sowie in Teilen der ökonomischen Literatur werden Organisationen jedoch nach wie vor als ,geschlechtsneutral‘ deklariert, wenngleich es bis heute eine geschlechterbezogene Ungleichheit in unterschiedlichsten organisationalen Kontexten gibt, was etwa die Aufstiegsmöglichkeiten in Unternehmen oder auch die betriebliche Arbeitsteilung betrifft. In diesem Zusammenhang lässt sich mit Joan Acker argumentieren, dass in organisationalen Strukturen die Kategorie Geschlecht in vielfältiger Weise eingebettet ist. Männlichkeit kommt dabei eine besondere Rolle zu, da in der Ausgestaltung von organisationalen Strukturen (implizit) ein erwerbsarbeitsbezogenes Männlichkeitsideal eingelassen ist.
Im Rahmen des Seminars wird der Zusammenhang zwischen diesem Männlichkeitsideal und der Konstituierung und Reproduktion von sozialer Ungleichheit in Organisationen theoretisch aber auch mit Bezug auf eine Reihe von empirischen Studien zu unterschiedlichen Erwerbsarbeits- und Organisationskontexten (z.B. Militär, soziale Dienstleistungen, Politik, Sport) reflektiert. Männlichkeit und die Reproduktion geschlechterbezogener Ungleichheit werden in dieser Hinsicht multidimensional gefasst. Dies bedeutet, dass in organisationalen Kontexten nicht nur Hierarchisierungsprozesse zwischen Männern und Frauen, sondern auch zwischen unterschiedlichen Männlichkeitskonstruktionen zu beobachten sind. Gleichzeitig wird in dem Seminar adressiert, wie sich diese Männlichkeitskonstruktionen im Falle des Wandels von Organisationen (möglicherweise) verändern.
- Kursleiter/in: Marie Goerge
- Kursleiter/in: Markus Tünte