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Schillers Erzählung Der Verbrecher aus verlorener Ehre beginnt nicht mit dem titelgebenden Verbrechen selbst, sondern mit der Frage, wie sich davon erzählen lässt, ohne den Täter vorschnell moralisch zu verurteilen. Zugleich setzt sie das Urteil ausdrücklich ans Ende der Lektüre.

Am Fall Christian Wolfs zeigt die Erzählung, wie die Verfolgung eines Wilddiebs im Namen herrschaftlicher Jagdprivilegien eine Spirale aus Geldstrafen, Gefängnis und sozialer Ächtung in Gang setzt, an deren Ende es zum Mord kommt. Das Verbrechen wird weder als Ausdruck angeborener Verderbtheit noch als isolierte, souveräne Entscheidung ausgestaltet, sondern aus einer sozialen und psychologischen Gemengelage heraus entwickelt.

Die Übung verfolgt zwei Ziele: Sie will zum einen die Studierenden mit einem zentralen Erzähltext der deutschen Literatur bekannt machen und dabei Fragen nach sozialer Ungleichheit, Verbrechen und Strafe in den Fokus rücken. Zum anderen führt sie in die Grundlagen der literaturwissenschaftlichen Textanalyse ein. Zentrale Konzepte wie Fokalisierung, Diegese, Modus und Stimme werden systematisch erarbeitet und an Schillers Erzählung erprobt.

Voraussetzung für den Teilnahmenachweis ist eine aktive und regelmäßige Mitarbeit. Die Texte werden über Moodle zur Verfügung gestellt.

Semester: WiSe 2026/27
Selbsteinschreibung (Teilnehmer/in)
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