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Unter den synoptischen Evangelien gilt Matthäus als das „jüdischste“ Evangelium – und zugleich als ein Text von enormer Sprengkraft für die Trennungsgeschichte von Kirche und Synagoge (Parting of the Ways). Schriftgelehrte Argumentation, ein radikaler Akzent auf der bleibenden Gültigkeit der Tora (Mt 5,17) und die pointierte Verortung Jesu als „Sohn Davids, Sohn Abrahams“ prägen das Narrativ. Das Matthäusevangelium spiegelt wie kaum ein zweites neutestamentliches Zeugnis die innerjüdischen Ringerubriken und Identitätsdiskurse nach der Zerstörung des Jerusalemer Tempels im Jahr 70 n. Chr. wider.

Die Vorlesung führt in die Komposition, Theologie und Zeitgeschichte des ersten Evangeliums ein, legt dabei jedoch einen konsequenten Schwerpunkt auf dessen tief sitzende jüdische Wurzeln. Wir werden untersuchen, wie Matthäus traditionelle jüdische Motive instrumentalisiert, um die Messianität Jesu für eine Gemeinschaft zu begründen, die sich selbst noch ganz innerhalb des jüdischen Horizonts versteht.

Semester: WiSe 2026/27
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