Einschreibeoptionen

Peter Weiss’ dreibändiger Roman Die Ästhetik des Widerstands gilt als ein Monument der politischen Literatur der 1970er Jahre. Das Buch, in dem Weiss die Erfahrungen der Arbeiterbewegung im Widerstand gegen den Faschismus verhandelt, wurde in den vergangenen Jahren auch für die Gegenwartsdiskussion wiederentdeckt. Die Ermittlung – sein mit dokumentarischen Mitteln arbeitendes Theaterstück über den Frankfurter Auschwitzprozess – gilt als zeitgeschichtliches Ereignis, weil es die ausstehende Auseinandersetzung mit der nationalsozialistischen Vernichtungspolitik forcierte.

Der seit dem Exil überwiegend in Schweden lebende Weiss gehört mit beiden Texten fraglos zu den großen Autoren der sogenannten Suhrkamp-Kultur, mit der der gleichnamige Verlag die Bonner Republik nachhaltig prägte. Und doch ist Weiss wohl gerade im Vergleich mit anderen berühmten Exponenten dieser Kultur wie Hans Magnus Enzensberger oder Max Frisch ein wenig gelesener Autor.

Das hat möglicherweise auch mit der Vielfalt seines Werks zu tun. In ihm lotet der Schriftsteller, Maler und Filmemacher Weiss – so die These des Seminars – Möglichkeiten eines Anschlusses an die literarische und künstlerische Moderne und ihre Avantgarden für die Nachkriegssituation aus. Im Seminar lesen wir ausgewählte experimentelle, autobiografische und politische Prosa sowie Dramatik von Weiss, um diese These zu überprüfen.

Wir werden dabei auch die Frage stellen, ob die klare Unterscheidung zwischen einer experimentellen und einer engagierten Literatur in Falle Weiss’ überhaupt aufgeht. So lädt der Kurs dazu ein, ein Werk zu entdecken, in dem sich literarischen Entwicklungen der Nachkriegszeit nicht nur spiegeln, sondern in dem sie in großer Radikalität durchgespielt werden.

Zur vorbereitenden Lektüre wird empfohlen: Beise, Arnd, Peter Weiss, Stuttgart 2002.

Die Seminarmaterialien werden rechtzeitig im Moodle-Kurs zum Seminar zur Verfügung gestellt

Semester: SoSe 2026
Selbsteinschreibung (Teilnehmer/in)
Selbsteinschreibung (Teilnehmer/in)