Trauer ist nicht nur eine individuelle Erfahrung des Verlusts, sondern kann auch zu einer öffentlichen und politischen Praxis werden.
In vielen Gesellschaften entstehen aus persönlichem Leid Bewegungen, die Erinnerung bewahren, Gerechtigkeit einfordern und gegen das Vergessen kämpfen. Medien spielen dabei eine zentrale Rolle: Sie dokumentieren Gewalt, machen Unsichtbares sichtbar und schaffen Räume für Zeugenschaft, Erinnerung und gesellschaftliche Auseinandersetzung.
Dieses Seminar untersucht die Rolle von Medien bei der Konstruktion kollektiver Erinnerung, öffentlicher Trauer und politischer Zeugenschaft. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie individuelle Erfahrungen von Verlust und Trauer durch Fotografien, Film, audiovisuelle Medien, Archive und digitale Plattformen in kollektive Erinnerungsprozesse überführt werden und wie aus persönlichem Leid öffentliche Formen des Gedenkens, der Zeugenschaft sowie Forderungen nach Wahrheit und Gerechtigkeit entstehen.
Anhand internationaler Fallbeispiele aus verschiedenen Regionen der Welt – unter anderem aus Argentinien, Chile, der Türkei, Bosnien, Mexiko, Iran und weiteren Ländern – analysiert das Seminar die Rolle von Medien in den Erinnerungs- und Gerechtigkeitskämpfen von Mütter- und Angehörigenbewegungen. Dabei wird untersucht, wie Medien individuelle Trauer in kollektive Erinnerung überführen, politische Mobilisierung ermöglichen und zur gesellschaftlichen Auseinandersetzung mit Gewalt, Menschenrechtsverletzungen und historischer Verantwortung beitragen.
Das Seminar verbindet Perspektiven der Medienwissenschaft mit Memory Studies, Visual Culture, Filmwissenschaft, Gender Studies und Menschenrechtsforschung. Ziel ist es, ein kritisches Verständnis dafür zu entwickeln, wie Medien Trauer- und Erinnerungsprozesse prägen, Zeugenschaft ermöglichen und gesellschaftliche Aushandlungsprozesse über Wahrheit, Gerechtigkeit und historische Verantwortung mitgestalten.

Semester: WiSe 2026/27