Das Seminar untersucht das Gewissen als zentrale Denkfigur der Moderne in Literatur und Theorie. Ausgangspunkt ist seine folgenreiche Neubestimmung bei Kant, der das Gewissen als inneren Gerichtshof im Subjekt verankert. Mit dem aufklärerischen Versprechen moralischer Autonomie geht allerdings eine grundlegende Veränderung einher: Das Subjekt soll nun selbstbestimmt urteilen, erfährt sein Gewissen zugleich aber als fremde, mitunter bedrohliche Macht im eigenen Inneren.

Anhand von Texten Schillers, E. T. A. Hoffmanns, Büchners, Ebner-Eschenbachs und Kafkas verfolgt das Seminar die historischen Wandlungen und begrifflichen Verschiebungen des Gewissens. Theoretische Bezugspunkte bilden Kant, Freud, Arendt und Butler. Im Zentrum stehen Szenen der Schuld, des Urteils und der Selbstbeobachtung ebenso wie Störungen und Ausfälle des Gewissens. Gefragt wird, wie narrative und dramatische Formen das Gewissen ästhetisch erfahrbar machen, an seiner begrifflichen Konturierung mitwirken oder seine problematischen Zugriffe auf das Subjekt offenlegen.

Besondere Vorkenntnisse sind nicht erforderlich. Erwartet werden die Bereitschaft zur gründlichen Lektüre literarischer und theoretischer Texte sowie die aktive Beteiligung an der Seminardiskussion. Die im Seminar behandelten Texte werden über Moodle zur Verfügung gestellt. Der genaue Seminarplan wird in der ersten Sitzung gemeinsam besprochen.

Semester: WiSe 2026/27