Klimakrise, globale Pandemien, geopolitische Umbrüche – das Vokabular der Gegenwart ist unverkennbar „apokalyptisch“ aufgeladen. Doch während im modernen Sprachgebrauch das Wort Apokalypse fast ausschließlich als Synonym für die totale, unumkehrbare Katastrophe dient, meint der biblische Befund etwas grundlegend Anderes: Enthüllung, Krisenbewältigung und die radikale Hoffnung auf Gottes Neuschöpfung.

Dieses Seminar widmet sich der Dynamik apokalyptischer Texte im Neuen Testament und ihrer Transformation in heutigen Diskursen. Im ersten Teil des Seminars erarbeiten wir die exegetischen Grundlagen. Wir fragen nach den mentalitäts- und sozialgeschichtlichen Hintergründen unter anderem der synoptischen „Eschatologischen Reden“ (Mk 13 par.) sowie der Johannesoffenbarung und betrachten diese im Kontext der frühjüdischen Apokalyptik.

Im zweiten Teil schlagen wir die Brücke zur Gegenwart: Wie werden diese antiken Krisentexte heute rezipiert, transformiert oder auch instrumentalisiert? Wir untersuchen das Phänomen der sogenannten „kupierten Apokalypse“ – einer säkularisierten Endzeitstimmung im modernen Klima-Aktivismus und in medialen Krisendiskursen, die den katastrophalen Untergang beschwört, aber die transzendente Rettungs- und Trostperspektive des biblischen Befunds verliert.

Semester: WiSe 2026/27