Die Figur der Ursprünglichkeit ist eine mächtige Figur. Von einem Ursprungszustand aus kann jedwede Veränderung nur als Abweichung oder gar als Verirrung gelten. So verwendet, wird die Ursprungsfigur diskursiv zum Totschlagargument. Gleichzeitig ist die Suche nach einem Ursprung eng verknüpft, mit dem Streben nach dem Verstehen der Gegenwart. Zusammengenommen: Wie wir uns unseren Ursprung erzählen, bestimmt unsere Wahrnehmung der Gegenwart.

Grund genug für eine gründliche Auseinandersetzung mit der Struktur, der Funktion und den Gefahren dieser Figur. Dabei müssen anspruchsvolle Texte aus einem weiten Feld in Blick kommen: Theologie zuerst, aber auch Philosophie, Mythosforschung und sogar Psychoanalyse.

Semester: ST 2026