Das ottonische Sachsen gilt in den Geschichtswissenschaften als mittelalterliche „Boomregion“ mit Start im 10.
Jahrhundert. Verbunden mit dem Aufstieg der Liudofinger (Ottonen) zu Königen und Kaisern sind erhebliche
Aufbrüche zu verzeichnen. Sachsen entwickelte sich zum Kernland des Römischen Reiches und es kam zu
Bistumsgründungen, die einerseits zur Machtfestigung in den Ostgebieten dienten, zugleich aber, gemeinsam
mit den Klöstern, maßgebliche Wirtschaftsstandorte waren.
Schwerpunktmäßig beschäftigen wir uns mit drei historisch bedeutenden Orten. Quedlinburg kann als
maßgeblicher politischer, geistlicher und kultureller Mittelpunkt gelten. Es war der bevorzugte Aufenthaltsort
Heinrichs I. Entscheidende Hoftage fanden hier statt. Königin Mathilde gründete auf dem Schlossberg ein
Damenstift, das der die Memoria der ottonischen Herrscherfamilie dienen sollte. Heinrich I. wurde hier
beigesetzt. Und häufig feierten die ottonischen Herrscher und ihre Angehörigen hier das Osterfest.
Halberstadt war das maßgebliche bischöfliche Machtzentrum im Ottonenreich. Mit der Verleihung des Markt-,
Münz- und Zollrechts durch Otto III. gewann es weiter an wirtschaftlicher Bedeutung.
Goslar, 922 durch Heinrich I. gegründet, erwies sich mit dem 968 begonnenen Silberbergbau am Rammelsberg
als bedeutender Wirtschaftsstandort. Heinrich II. veranlasste zu Beginn des 11. Jahrhunderts den Ausbau zur
Kaiserpfalz. Damit etablierte sich Goslar als Machtzentrum in der Nachfolge Quedlinburgs.
In der interdisziplinären Veranstaltung untersuchen wir von kunsthistorischer Seite aus im Austausch mit den
Befunden der Historiker*innen die künstlerischen Artefakte jener Zeit, insbesondere in Gestalt von Gebäuden,
Objekten der Schatzkunst und Skulpturen.

Semester: ST 2026