Die Übung führt in die Alltagsgeschichte als Geschichtswissenschaftlichen Ansatz ein. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie sich die Lebenswelten, Wahrnehmungen und Handlungsspielräume historischer Akteurinnen und Akteure jenseits von politischer Ereignisgeschichte und Sozialgeschichte rekonstruieren lassen. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf dem Konzept des „Eigen-Sinns“ (Alf Lüdtke) und seiner Bedeutung für die Analyse von Herrschaft, Arbeit und sozialer Praxis.

Die Veranstaltung kombiniert die Lektüre programmatischer und empirischer Texte mit methodischen Reflexionen zu „dichter Beschreibung“, Mikrogeschichte und der Analyse alltäglicher Praktiken. Anhand von exemplarischen Studien wird diskutiert, wie sich Handlungsspielräume zwischen Anpassung, Aneignung und Widerständigkeit historisch fassen lassen.

Ein zentraler Bestandteil des Seminars ist die intensive Arbeit mit unterschiedlichen Quellengattungen. Ziel ist es, alltagsgeschichtliche Fragestellungen zu entwickeln, Quellen kritisch zu kontextualisieren und die Möglichkeiten wie Grenzen einer Geschichte „von unten“ zu beurteilen

Semester: SoSe 2026