
Wir wollen uns im Seminar mit der Vorstellung beschäftigen, nach der der biblische Gott an Welt und Menschen als ein „Richter“ handelt, der Sünderinnen und Sünder bestraft resp. die Gerechten rehabilitieren und ins Recht setzen wird. Es handelt sich um ein metaphorisches Konzept der Gottesrede. Was aber bedeutet es von Hause aus, und wie können wir in der Theologie damit umgehen? Wir lernen im Seminar, dass es unterschiedliche Typen von Gerichtskonzeptionen im antiken Judentum und im Neuen Testament gibt. Neben einem feurigen Annihilationsgericht (Zorngericht) gibt es z.B. die Vorstellung einer „Abrechnung“ mit doppeltem Ausgang am Ende der Zeit. Was fangen wir in diesem Zusammenhang mit der Vorstellung an, dass auch der neutestamentliche Gott ein „zorniger“ Gott ist? Neben dem „Gericht“ am „jüngsten Tag“ und innerweltlichen oder postmortalen Gerichtskonzepten begegnen Anschauungen, die deutlich unter griechischem Einfluss stehen; insbesondere ist das der Fall, wenn von Geister-Seelen oder Toten-Seelen im Unterschied zu leiblichem Ergehen die Rede ist. Ziel des Seminars ist es, zentrale jüdische und neutestamentliche „Gerichts“-Texte gemeinsam zu erarbeiten und ausgewählte Forschungspositionen kennenzulernen.
- Kursleiter/in: Reinhard Bendemann
- Kursleiter/in: Carmen Carnein