
Der Kurs ist als Annäherung an experimentelle Schauspielmethoden konzipiert, die sich aus den Theater-, Film-, Tanz- und Performancepraktiken des 20. Jahrhunderts speisen und den Fokus auf Körpertechniken legen. Das Seminar verfolgt eine dezidiert anthropologische Perspektive, die alltägliche Verhaltensweisen wie Gehen, Sitzen, Schlafen, Essen, das Tragen von Kleidung, Sex haben etc. analysiert, um die kulturell bedingten und gesellschaftlich vermittelten Praktiken der Körperanwendung zu beleuchten. Ausgehend von diesen performativen Gesten und körperlichen Alltagspraktiken werden wir uns dann den konkreten Trainingstechniken und den komplexen Arbeitsweisen von Schauspieler:innen, Regisseur:innen, Performer:innen und Tänzer:innen annähern und sie gemeinsam erforschen. Anstatt einen historischen Überblick über die Theorien der Schauspielkunst zu schaffen, werden wir uns auf differenzierte Schauspielkonzepte konzentrieren, die von Künstler*innen der europäischen Avantgarde oft in Laborsituationen entwickelt und erforscht wurden. Dabei stehen theoretische Texte im Mittelpunkt, die aus der szenischen und/oder filmischen Praxis und der Arbeit am Körper hervorgegangen sind. Anhand der Schriften und Arbeiten von Konstantin Stanislavskij, Vsevolod Meyerhold, Isadora Duncan, Bertolt Brecht, Antonin Artaud, Jerzy Grotowski, Andy Warhol, William Greaves, Yvonne Rainer, Chantal Akerman, Tadeusz Kantor, Dario Fo, Frank Castorf, Marina Abramovic, Katarzyna Kozyra (und vielen anderen) können die Studierenden die Vielfalt der Körpertechniken und Schauspielmethoden kennenlernen und ihr Verhältnis zu sozialen und kulturellen Fragen sowie die Beziehungen zwischen Theater, Tanz, Performance und Film diskutieren. Dabei werden die Selbstreflexion und das theoretische Potential experimenteller Schauspiel- und Performancepraxis bewusst gemacht. Einen wichtigen Kontext für die Auseinandersetzung mit historischen Texten bildet das „Nachleben“ der diskutierten Körpertechniken und Schauspielkonzepte in der Neo-Avantgarde und in der zeitgenössischen künstlerischen Praxis.
- Kursleiter/in: Dorota Sajewska