Im Laufe des 19. Jahrhunderts wurde ‚Welt‘ im Rahmen internationaler Leistungsschauen ausgestellt, während sich zoologische Gärten in den westlichen Industrieländern zu den populärsten Schaustätten von „Naturkunde“ entwickelten. Hinzu kamen – im Zeichen des von Werner Siemens 1886 proklamierten „naturwissenschaftlichen Zeitalters“ – sogenannte „Volkssternwarten“. Bereits diese Bezeichnung verweist auf die Überzeugung, dass die Vermittlung (naturwissenschaftlichen) Wissens an eine breitere Öffentlichkeit zu einem bürgerlich-liberalen Wertekanon gehöre.

Die Vorläufer heutiger Zoos, Aquarien, Planetarien, Technikmuseen und Science Center sind somit in spezifischen historischen Kontexten eines als ‚lang‘ verstandenen 19. Jahrhunderts zu verorten. Die Übung nähert sich diesen Institutionen aus wissens-, technik- und umweltgeschichtlicher Perspektive und bezieht zudem Ansätze der Human-Animal Studies sowie der Populärkulturforschung ein. Auf dieser Grundlage lassen sich Kontinuitäten und Veränderungen in den ambivalenten Konstellationen der Zurschaustellung eines Wissens über ‚die Natur‘ untersuchen. So waren gemeinverständliche Präsentationen naturwissenschaftlicher Erkenntnisse und Objekte stets verknüpft mit zeitgenössischer „Vergnügungskultur“ – und somit mit Fragen danach, welchen Schauwert und welche Möglichkeiten ‚zum Anfassen‘ oder gar zum eigenen Experimentieren diese bieten sollten bzw. durften. Sie waren also zutiefst verwoben mit Diskussionen über Möglichkeiten und Grenzen einer Popularisierung von (Natur-)Wissenschaft. Auch waren diese Stätten und Inszenierungen zwar Ausdruck eines Glaubens an wissenschaftliche Rationalität, jedoch keineswegs frei von Klassismus, Sexismus und Rassismus. Beispielsweise wurden in den Zoos des Deutschen Reichs um 1900 nicht nur Tiere, sondern im Rahmen sogenannter „Völkerschauen“ auch Menschen ausgestellt.

Um Einblicke in gegenwärtige Formen astronomischer Wissenspopularisierung zu gewinnen, ist eine Exkursion in das Planetarium Bochum geplant.


Literaturauswahl:

  • Ahner, Helen: Planetarien. Wunder der Technik – Techniken des Wunderns. Göttingen 2023.
  • Baratay, Eric: Zoo. A History of Zoological Gardens in the West. London 2004.
  • Krieger, Annekathrin: Globales Wissen im Kaiserreich. Wie der Gorilla ins Naturkundemuseum kam. Bielefeld 2024.
  • Muka, Samantha: Oceans under Glass. Tank Craft and the Sciences of the Sea. Chicago 2022.
  • Rothfels, Nigel: Savages and Beasts. The Birth of the Modern Zoo. Baltimore 2002.
  • Vennen, Mareike: Das Aquarium: Praktiken, Techniken & Medien der Wissensproduktion 1840–1910. Göttingen 2018.
  • Wessely, Christina: Künstliche Tiere. Zoologische Gärten und urbane Moderne. Berlin 2008.
Semester: SoSe 2026