Digitale Netzwerke prägen zunehmend die Bedingungen der Produktion, Zirkulation und Rezeption von Literatur. Schreiben, Lesen und Veröffentlichen vollziehen sich heute vielfach im und durch das Netz, d.h. auf Plattformen, in sozialen Medien, in kollaborativen Umgebungen und unter algorithmischen Bedingungen. Diese Entwicklungen verändern nicht nur literarische Formen, sondern stellen auch grundlegende Begriffe wie Autorschaft, Textualität sowie die Unterscheidung zwischen dem Fiktiven, Realen, Imaginären und auch Virtuellen infrage. Das Seminar untersucht Literatur im Kontext digitaler Netzwerke und widmet sich drei zentralen Aspekten des Verhältnisses von Literatur und Digitalität. Erstens geht es um literarische Schreibweisen, die unter den Bedingungen netzbasierter digitaler Reaktionsmaschinen entstehen. Im Fokus stehen Texte, die auf computergestützte Schreibumgebungen reagieren, virtuelle Identitäten reflektieren und digitale Öffentlichkeiten literarisch verarbeiten. Zweitens behandelt das Seminar Literatur als Effekt digitaler Kulturen, insbesondere Formen maschinellen und algorithmischen Schreibens, die durch Software, Daten und automatisierte Verfahren hervorgebracht werden und neue Vorstellungen von Kreativität und Autorschaft herausfordern. Drittens rückt das Seminar digitale und virtuelle Verfahren der Literatur- und Medienwissenschaft in den Blick, die literarische Artefakte im Netz erfassen, analysieren und archivieren. Insgesamt fragt das Seminar danach, wie Literatur im Zeitalter vernetzter Digitalität entsteht, zirkuliert und gelesen wird und welche ästhetischen, epistemologischen und theoretischen Konsequenzen sich daraus ergeben. Gelesen werden literarische und theoretische Texte von Kathrin Passig, Clemens Setz, Ann Cotten oder Hannes Bajohr.

Semester: SoSe 2026
Organisationseinheit: Fakultät für Philologie