Das Seminar widmet sich dem Hören als Sinnespraxis und perspektivischer Form der Weltbegegnung, die stets in Relation zu ihrer Umgebung steht. Ob mit einem Feminist Ear (Ahmed), mit Deep Listening (Oliveros) oder Modernity’s Ear (Kheshti 2015): Wir fragen, inwiefern sich Hörperspektiven situieren, sich in Aufnahmen einschreiben und als Ausdruck spezifischer Auralitäten Rückschlüsse auf Begehren, Machtverhältnisse oder extraktive Wissensregime zulassen.

"Listening Underground" – ein Hören unter Grund – verweist dabei auf unterschiedliche Dimensionen auditiver Perspektivierung: wörtlich auf das Hören unter Tage, etwa im historischen Einsatz von Kanarienvögeln im Bergbau oder in Kristina Kubischs elektroakustischer Arbeit Unter Grund, ebenso wie metaphorisch auf Fragen von Vorder- und Hintergrund, Signal und Rauschen, Sichtbarkeit und Unsichtbarkeit in auditiven Medien. Extraktivismus erscheint nicht nur als ökonomischer und ökologischer Prozess, sondern auch als epistemische Ordnung, die Wahrnehmung, Sensibilität und mediale Praktiken strukturiert. Hörpraktiken können hier als Frühwarnsysteme, als Formen relationalen Wissens und als Mittel zur Detektion unsichtbarer Gefahren fungieren, von toxischen Gasen bis hin zu langfristigen ökologischen Transformationen.

Ausgehend von Umgebungsaufnahmen, Field Recordings und klangkünstlerischen Arbeiten (inklusive einer Exkursion zum Festival Blaues Rauschen 2026) werden sowohl akustische Ökologien medientheoretisch befragt als auch weitere Spannungsfelder des Auditiven und Politiken des Hörens diskutiert: Relationen zwischen Stille und Lärm (Cage, Attali, Thompson, LaBelle), zwischen Umgebung und Aufnahme (Haffke, Wright), Feld und Studio (Akiyama), Stimme und voice-as-skin (Bulut), Listening to Images (Campt) sowie Listening to Machines (Bijsterveld).

Semester: ST 2026