Dieses Seminar führt anhand des klassischen Werkes "Totem und Tabu" in textnaher, kritischer Arbeit an Grundfragen der medienwissenschaftlichen Kulturanalyse heran. Sigmund Freud rekonstruiert in "Totem und Tabu" Kernannahmen zur Entstehung früher Kulturen, die insbesondere das Aufkommen der Exogamie bzw. des Inzestverbots als kulturell geteilte Praxis und Norm beinhalten. Wir werden unter anderem folgenden Fragen nachgehen: Wie sollen laut der Kulturanalyse im Rahmen des Totemismus Zeichen in der gemeinsamen gelebten Praxis generiert werden, um Verwandtschaften und Gruppen (Clans) zu benennen? Wie rekonstruiert der Text die vermutete gewaltsame Entstehung der Exogamie/des Inzesttabus als Grundlage früher Kulturen? Welche Rolle spielt der Animismus? Aber auch: Wie sind Perspektivierungen früher Kulturen als Vorstufen heutiger Gemeinschaften neu zu adressieren und zu problematisieren? Warum fokussiert die Kulturanalyse fast ausschließlich patriarchal organisierte Gruppen und welchen Nutzen hat sie für die Rekonstruktion der patriarchalen Grundlagen modernen Gesellschaft?

Voraussetzung für die Teilnahme an diesem Seminar sind Lust und Fähigkeit, sich auf die Textgrundlage und intensive Präsenzdiskussion einzulassen. Es wird darum gebeten, die Nutzung digitaler Geräte (Tablets oder Laptops, nur in Ausnahmefällen Mobiltelefone) AUSSCHLIEßLICH für die gemeinsame Textlektüre zu nutzen und jede Parallelrecherche und Kommunikation zu unterlassen. Idealerweise nutzen Sie eine Druckversion des Textes. Auf Moodle werden weiterführende Texte zu Beginn der Vorlesungszeit bereitgestellt. Zugang zum Originaltext bietet die folgende URL des Projektes Gutenberg:

https://projekt-gutenberg.org/authors/sigmund-freud/books/sigmund-freud-totem-und-tabu/

Semester: ST 2026