
»Idyll heißt eigentlich ein kleines Bild; denn eidyllion ist ein
Verkleinerungswort von to eidos, Gestalt, Bild, Schilderung; daher ist
eidyllion ein kleines Bild, eine kleine Schilderung des Schäferlebens.
So definierte im Jahre 1767 halb etymologisch,
halb inhaltlich Joseph Freiherr von Penkler die literarische Gattung,
die im Zentrum dieses Proseminars stehen soll. Idyllen- und
Landlebendichtung macht gerade im 18. Jahrhundert einen bedeutenden
Anteil der literarischen Produktion aus: Im Rückgriff auf die
sinnlich-heitere Bukolik der griechischen Antike wird ein Abstand zur
‚polirten‘ höfischen bzw. bürgerlichen Gesellschaft gefeiert oder
inszeniert. Das in der Antike ›erfundene‹ Arkadien als ideale Landschaft
wird in der Idyllik des 18. Jahrhunderts einerseits übernommen,
andererseits aber auch geöffnet für die moderne Welt: Der Raum wird
erweitert auf Bürgerhaus und Schule, Dorf und Städtchen. Raum- und
Zeitgestaltung der Idylle, ihre Landschaftszeichnung wie die Situierung
der Figuren im Naturzusammenhang gehören zu den wesentlichen Kriterien
der Landlebendichtung. Sie sollen anhand einer Reihe von Texten sowohl
in ihrer Traditionalität als auch in ihren historisch signifikanten
Modifikationen erarbeitet werden – nicht ohne einen vorherigen Blick auf
eine von Vergils Eklogen und die Schäferdichtung der europäischen
Renaissance und des deutschen Barock.
- Kursleiter/in: Benedikt Jessing