Im Zentrum des Seminars stehen ausgewählte Studien zur Geschichte der NS-„Euthanasie“ im Dritten Reich. Aufgabe der Teilnehmenden wird es sein, gemeinsam verschiedenartige Forschungen in Aufbau und Argumentation, in der Verwendung und Präsentation von Quellenmaterial zu analysieren und zu verstehen.

Besondere Aufmerksamkeit kommt der Frage zu, wie ein historisches Thema, dem zunächst lediglich ein spezifisch medizingeschichtliches Interesse zukam, sich zu einem allgemeinen öffentlichen und breit erforschten historischen Thema entwickeln konnte. Einen besonderen Stellenwert nehmen Studien aus den 1980er Jahren ein, in denen sowohl Laien als auch professionelle Historiker:innen mit einer systematisch historischen Auseinandersetzung der NS-„Euthanasie“ begannen.

Leitfragen für die gemeinsame Analyse der ausgewählte Texte sind: Was wird unter „NS-Euthanasie“ gefasst? Welche zentralen Begriffe leiten die historische Analyse? Spielt die Frage nach „Widerstand“ eine Rolle und, wenn ja, wie wird dieser begriffen und bewertet? Auf welche unterschiedlichen Art und Weisen wird die Vergangenheit der NS-„Euthanasie“ narrativ verfasst? Welche historische Bedeutung wird der NS-„Euthanasie“ zugeschriebenen für die Prozesse im Nationalsozialismus? Welche Rolle spielt Quellenmaterial in der Untersuchung? 

Literatur zur Einführung

Braese, Stephan/ Gross, Dominik / Blasberg, Cornelia (Hrsg.), NS-Medizin und Öffentlichkeit. Formen der Aufarbeitung nach 1945, Frankfurt Campus Verlag 2015.

Schmuhl, Hans-Walter, Rassenhygiene, Nationalsozialismus, Euthanasie. Von der Verhütung zur Vernichtung „lebensunwerten Lebens,“ 1890-1945, Göttingen 1987, S. 12-18.

 

Semester: SoSe 2026