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Mit nur zwanzig Jahren Abstand publizierte Martin Luther zwei Judenschriften, die unterschiedlicher nicht sein könnten: Während die 1523 erschienene Publikation bei manchen Historiker*innen als eine der judenfreundlichsten Schriften in (West-)Europa seit Jahrhunderten gilt, erfreute sich die 1543 erschienene Schrift besonders zur Zeit des Nationalsozialismus einer hohen Beliebtheit und wird noch heute in neo-nazistischen Kreisen verbreitet. Hier drängen sich Fragen geradezu auf: Welche Brüche und Veränderungen bestimmen die lutherische Theologie? Wo kommt Luther her und wie unterscheidet er sich von einer bereits bestehenden antisemitischen bzw. antijudaistischen Theologie und Umwelt? Was ist charakteristisch lutherisch an seinen judenfreundlichen und -feindlichen Aussagen? Und wie wurde Luther in der Geschichte (miss-)verstanden und rezipiert? In diesem Proseminar werden wir uns zunächst mit Luther, seiner Umwelt, seiner Theologie und v.a. seinen Judenschriften auseinandersetzen und eine Vorstellung davon entwickeln, was als das charakteristisch Reformatorische an Luthers Konstruktionen jüdischer Identität und Religion zu benennen ist. In einem zweiten Schritt werden wir uns mit der Rezeption und Folgen lutherischer Theologie hinsichtlich des Judentums durch die deutsche Geschichte hinweg beschäftigen. Das Seminar ist als Proseminar konzipiert und wird auch als Einführung in die methodischen Grundlagen kirchengeschichtlichen Arbeitens fungieren. Auch höhere Semester sind willkommen zum Auffrischen oder bei Interesse an dem Thema (Anrechnung z.B. im Optionalbereich möglich). Zur Einführung wird Ihnen Kaufmann, Thomas, Luthers Juden, 2014 empfohlen, mit dem wir im Kurs mitunter arbeiten werden. |
- Kursleiter/in: Barbara Lehmann
- Kursleiter/in: Laura Julia Markert