Im Mittelpunkt des Blockseminars steht die Analyse der Formalisierung und Institutionalisierung von Partizipationsrechten der zentralen Akteure der Schulgemeinschaft – Lehrkräfte, Eltern und Schüler:innen. Das Seminar zeichnet die regionalen Entwicklungslinien schulischer Mitwirkung in NRW nach, die weit vor der rechtlichen Kodifizierung im siebten Teil des nordrhein-westfälischen Schulgesetzes (2005) ihren Anfang nahmen. Besondere Aufmerksamkeit gilt den Spannungsfeldern, die sich aus der Kollision unterschiedlicher Rechtsgüter ergaben: Neutralitätsgebot der Schule versus (allgemein-)politische Betätigung, Schulautonomie versus staatliche Aufsicht und Steuerung sowie divergierende Interessen der beteiligten Gruppen.

Neben der (schul-)rechtlichen Perspektivierung liegt ein Schwerpunkt des Seminars auf der Rolle von standes- und interessenpolitischen Zusammenschlüssen von Lehrkräften, Eltern und Schülern. Unter anderem sollen die Genese berufsständischer Zusammenschlüsse von Lehrkräften seit dem frühen 19. Jahrhundert, einschließlich der geschlechterspezifischen Differenzierung durch die Entstehung von Lehrerinnenvereinigungen im ausgehenden 19. Jahrhundert, die Organisation von Schülergruppen innerhalb der Jugendbewegung sowie reformpädagogische Ansätze zur Demokratisierung des Schulwesens im frühen 20. Jahrhundert untersucht werden. Das Seminar widmet sich zudem der bedeutsamen Zäsur und Vereinnahmung während des Nationalsozialismus durch Strukturen wie den NS-Lehrerbund, HJ und BDM. Darauf aufbauend werden die Demokratisierungsbestrebungen in der Nachkriegszeit als Teil der Re-education, die Partizipationsforderungen der 1968er-Bewegung und ihre Wirkungen sowie die aktuelle rechtliche Rahmung beleuchtet.

Die Veranstaltung umfasst eine historiographische Auseinandersetzung mit verschiedenen Quellentypen, darunter Gesetzestexte, Erlasse, Plenar- und Konferenzprotokolle sowie Vereinszeitungen und Flugblätter.

Semester: WiSe 2025/26