Entwicklungen im Feld künstlicher Intelligenz gehen zuverlässig mit einem Hype um deren Leistungsfähigkeit einher. Gegenüber stehen dem wiederum Befürchtungen um Massenarbeitslosigkeit und eine Verdrängung menschlichen Denkens. Im Seminar drehen wir dies um und fragen: Welche menschliche Arbeit steckt in künstlicher Intelligenz? Jüngst zeigte sich beispielsweise erst bei ChatGPT, dass das viel gepriesene Sprachmodell auf menschliche Arbeit angewiesen ist: Arbeiter:innen in Kenia kategorisierten unter schlechten Arbeitsbedingungen Datensätze, um das Sprachmodell trainieren zu können, Hassrede, Misogynie oder Rassismus in Texten zu erkennen (Billy Perrigo 2023). Hiervon ausgehend blicken wir in dem Lektüreseminar in Büroräume, in denen Arbeiter:innen Inhalte aus Social Media überprüfen, die von User:innen gemeldet wurden (Lily Irani 2015, Sarah Roberts 2019), auf Online-Gaming und sogenannte Chinesische Goldfarmer:innen (Moritz Altenried 2021), sowie in Verteilungszentren von Amazon, in denen Menschen Robotern zuarbeiten (Armin Beverungen 2021; Kate Crawford 2021). Schließlich nehmen wir die Allgegenwart von Essenslieferdiensten im städtischen Raum in den Blick und fragen, welche Effekte das algorithmische Management für die Radfahrer:innen zeitigt (Callum Cant 2020; Joanna Bronowicka/Mirela Ivanova 2021). Das Seminar gibt einen Einblick, wo künstliche Intelligenz auf menschliche Arbeit angewiesen ist und wie sie Arbeitsverhältnisse verändert.

 

Semester: WiSe 2023/24