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Leistungsteiler
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Modified: 4 April 2013, 6:36 PM User: Valentin Frank → VF
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In der Hochfrequenztechnik sind Leistungsteiler passive Bauelemente, die eine speziell geometrische Anordnung aufweisen. Dabei verteilt die Anordnung die Signalleistung möglichst gleichmĂ€Ăig auf zwei oder mehrere Tore. Leistungsteiler gibt es in verschiedenen AusfĂŒhrungen, die sich bezĂŒglich Leistung, Frequenz und Wellengang voneinander unterscheiden. Der Unterschied lĂ€sst sich am besten mit Streuparametern beschreiben. Im Folgenden werden verschiedene Leistungsteiler vorgestellt und diskutiert.
1. Wilkinson Leistungsteiler
Der so genannte âWilkinson Leistungsteilerâ wurde als Schaltungskonzept der Hochfrequenztechnik von Ernest J. Wilkinson im Jahr 1960 veröffentlicht.
Charakteristisch fĂŒr einen Wilkinson Leistungsteiler ist sein geringer Leistungsverlust, da es schaltungstechnisch angepasst und ausgangsseitig entkoppelt ist. Die Anpassung ist mit einem doppelten Wellenwiderstand zwischen beiden Ausgangstoren gegeben. Die Entkopplung beider Ausgangstore erfolgt aufgrung der geometrischen $$ \lambda/2 $$ LeitungslĂ€nge zwischen den beiden Ausgangstoren. Dabei verursacht $$ \lambda/2 $$ der LeitungslĂ€nge eine Phasendrehung um 180°, die zu einer Aufhebung durch Ăberlagerung und einer Entkopplung fĂŒhrt. []
Abbildung 1.0: 3-Tor Wilkinson-Leistungsteiler in Mikrostreifentchnik
$$ \lambda $$ := WellenlÀnge, $$ Z_W $$ := Wellenimpedanz der Leitung, $$ R $$ := Abschlussimpedanz.
Am meisten profitiert die Mikrostreifentechnik vom Wilkinson Leistungsteiler. Als passives Schaltungselement wird er durch Leitungsstrukturen mit einem konzentrierten Bauelement, einem Widerstand als Abschluss, realisiert (Abbildung 1.0). Dabei ist die Möglichkeit einer Kaskadierung oft nĂŒtzlich. Der Vorteil der Kaskadierung ist die geometrisch starre Anordnung, die eine synchron phasengleiche Wellenausbreitung ermöglicht. Oft werden viele parallele Signalpfade auf einem HF-Frontend benötigt. Eine Beispielanwendung hierfĂŒr ist das Multikanal-Frontend fĂŒr ein Antennen-Array-System, wo vielfach das gleiche Signal erforderlich ist, um Zwischenfrequenzen heunter zu mischen oder TrĂ€gersignale fĂŒr mehrere Pfade zu erzeugen. []Â
Abbildung 1.1: Ersatzschaltbild fĂŒr ein 3-Tor Wilkinson-Leistungsteiler
Das Ersatzshaltbild in Abbildung 1.1 dient als Basis zur Berechnung der Wilkinson-Leistungsteiler Eigenschaften, die im Folgenden durch technische Schlussfolgerungen und Berechnung der Streuparameter ermittelt werden. Dazu weist das Ersatzschaltbild zwei Generatorquellen am Tor 2 und 3 auf und ein Massepotential am Tor 1. Die Symmetrieebene in der Abbildung ist durch den symmetrieschen Aufbau der Schaltung gegeben.Â
1.1 Schlussfolgerungen und Ermittlung der Streuparameter
Die Funktion des Leistungsteilers lĂ€sst sich gut durch eine Streuparameter-Matrix darstellen. Die Beschreibung beschrĂ€nkt sich auf einstufigen Wilkinson Leistungsteiler. Ein mehrstufiger Wilkinsonteiler kann fĂŒr breitbandige Leistungsteiler verwendet werden. Â
Die allseitige Leistungsanpassung mit dem entsprechendem Wellenwiderstand $$ Z_W $$ ergibt eine Reflexionsfreiheit an allen Toren. FĂŒr die Streuparameter bedeutet es, dass die Terme in der Diagonale gleich Null sind $$ S_{11} = S_{22} = S_{33} = 0 $$. Des Weiteren fĂŒhrt die Verbindung zwischen Tor 2 und 3 das Signal ĂŒber eine $$ \lambda/2 $$ WeglĂ€nge, die eine Phasenverschiebung von 180° fĂŒr eine Welle darstellt. Da die Tore 2 und 3 auch ĂŒber einen Abschlusswiderstand gekoppelt sind, heben sich die Wellenanteile durch Ăberlagerung auf, sodass keine gegenseitige Kopplung zu Stande kommen kann. Dabei wird auch keine Leistung umgesetzt. Dieser Zusammenhang ergibt fĂŒr die Streuparameter, dass die Anteile $$ S_{23} = S_{32} = 0 $$ sein mĂŒssen.Â
Bei einer Einspeisung am Tor 1 teilt sich die Signalleistung, aufgrund der geometrisch symmetrischen Anordnung und gleicher Belastung durch den Abschlusswiderstand an Tor 2 und 3, in zwei gleiche Teile auf. Da die Amplitude quadratisch mit der Leistung zusammenhĂ€ngt, ergibt sich fĂŒr die Streuparameter der Faktor $$ \frac{ 1 }{ \sqrt{ 2 } } $$. Zugleich hat eine Leitung einen Einfluss auf die Phasendrehung der Welle. FĂŒr die Phase wirkt eine abgeschlossene $$ \lambda/4 $$ Leitung als -90° Phasenverschiebung. Der Zusammenhang kann wie folgt dargestellt werden:
$$ U_2 = U_1 \cdot e^{( \alpha - j \beta \frac{ \lambda }{ 4 } )} = U_1 \cdot e^{( 0 - j \frac{ \pi }{ 2 }) } = U_1 \cdot ( cos ( \frac{ \pi }{ 2 } ) - j sin ( \frac{ \pi }{ 2 } ) ) = -j U_1 $$
mit $$ \alpha = 0 $$ und $$ \beta = \frac{ 2 \pi }{ \lambda } $$.
Diese ZusammenhĂ€nge ergeben fĂŒr die Transmission der Streuparameteranteile $$ S_{21} = S_{31} = \frac{ -j }{ \sqrt{2} } $$.Â
In der Praxis kann zum Einen die geometrische Symmetrie nicht ideal in Mikrostreifentechnik realisiert werden und zum Anderen ist $$ \alpha \neq 0 $$. Daher ist diese Betrachtung als eine gute NĂ€herung zu sehen.Â
Aufgrund der Symmetrie des Schaltungskonzeptes, lassen sich die restlichen Streuparameter $$ S_{12} $$ und $$ S_{13} $$ durch Gleichtaktanregung (engl. even mode) und Gegentaktanregung (engl. odd mode) ermitteln. Des Weiteren ist die Betrachtung einer SymmetriehĂ€lfte fĂŒr die folgende Herleitung ausreichend.Â
1.2 Analyse mit Gleichtaktanregung
Bei einer Gleichtaktanregung, dargetellt in Abbildung 1.2, stellt die Symmetrieachse einen Leerlauf fĂŒr alle Querelemente dar. In Folge dessen sind die Querelemente an einem Ende offen bzw. im Leerlauf. Deshalb haben diese Elemente schaltunstechnisch keinen Einfluss auf die weitere Berechnung. FĂŒr die Analyse wird eine Generatorquelle am Tor 2 angeschlossen und das Tor 1 auf Masse-Potential gelegt.Â
Abbildung 1.2: Ersatzschaltbild bei Gleichtaktanregung
Aufgrund der Aufteilung im Symmetriefall, ergibt sich ein Reflexionsfaktor am Tor 1 zu:Â
$$ r_{e} = \frac{ Z - Z_L }{ Z + Z_L } = \frac{ 2 Z_W - \sqrt{2} Z_W }{ 2 Z_W + \sqrt{2} Z_W } = \frac{ 2 - \sqrt{2} }{ 2 + \sqrt{2} } $$ | (1.0),
wobei $$ Z $$ := Abschlussimpedanz, $$ Z_L $$ := Leitungsimpedanz bzw. Wellenwiderstand der Leitung, $$ r_e $$ := Reflexionsfaktor am Tor 1 (even mode).
Die Spannung am Tor 2 ergibt sich mit (1.0) zu:
$$ U_{2e} = U_x ( l = \frac{ \lambda }{ 4 }) = U_x ( e^{ j \frac{ \pi }{ 2 } } + r_e \cdot e^{ -j \frac{ \pi }{ 2 } } ) = j U_x (1 - r_e) $$ | (1.1)
$$ \Rightarrow U_x = \frac{ U_{2e} }{ j(1 - r_e) } = -j \frac{ U_{2e} }{ (1 - r_e) } $$ | (1.2)
Die Spannung am Tor 1 ergibt sich zu:
$$ U_{1e} = U_x ( l = 0 ) = U_x ( e^{ 0 } + r_e \cdot e^{ 0 } ) = U_x (1 + r_e) $$ | (1.3)
$$ \Rightarrow U_x = \frac{ U_{1e} }{ (1 + r_e) } $$ | (1.4)
Zudem ist die Amplitude der am Tor 2 auch: $$ U_{2e} = \frac{U_{G2}}{2} $$ | (1.5)
Mit Gleichungen (1.2), (1.3) und (1.5) ergibt sich zu:
$$ U_{1e} = -j \frac{U_{G2}}{2} \frac{ (1 + r_e) }{ (1 - r_e) } = -j \frac{U_{G2}}{2} \frac{ (1 + \frac{2 - \sqrt{2}}{2 + \sqrt{2}}) }{ (1 - \frac{2 - \sqrt{2}}{2 + \sqrt{2}}) } = -j \frac{U_{G2}}{2} \frac{ (2 + \sqrt{2})(2 + \sqrt{2} + 2 - \sqrt{2}) } {(2 + \sqrt{2})(2 + \sqrt{2} - 2 + \sqrt{2}) } = -j \frac{U_{G2}}{\sqrt{2}} $$ | (1.6)
Mit Gleichungen (1.1), (1.4) und (1.6) ergibt sich zu:
$$ U_{2e} = j U_{1e} \frac{ (1 - r_e) }{ (1 + r_e) } = j(-j) \frac{U_{G2}}{2} \frac{ (1 - r_e) }{ (1 + r_e) } = \frac{U_{G2}}{2} \frac{ (2 + \sqrt{2})(2 + \sqrt{2} - 2 + \sqrt{2}) } {(2 + \sqrt{2})(2 + \sqrt{2} + 2 - \sqrt{2}) } = \frac{U_{G2}}{2} $$ | (1.7)
Des Weiteren kann der richtige Wellenwiderstand fĂŒr den Halbkreisbogen (Abbildung 1.0) ermittelt werden. Da hier eine LeitungslĂ€nge von $$ \lambda/4 $$ vorliegt, kann die einfache $$ \lambda/4 $$- Transformation benuztt werden.Â
$$ Z_{L}^2 = Z_{A} \cdot Z_{E} = 2 Z_{W} \cdot Z_{W} = 2 Z_{W}^2 \Rightarrow Z_{L} = \sqrt{2} \cdot Z_{W} $$Â
1.3 Analyse mit Gegentaktanregung
Bei der Gegentaktanregung liegen alle Querelemente auf dem Massepotential (siehe in Abbildung 1.3). Des Weiteren liegt der Wellenwiderstand in der Abbildung in gelb dargestellt ausgangsseitig auch auf Massepotential.Â
Abb.1.3: Ersatzschaltbild bei Gegentaktanregung
Der Reflexionsfaktor ergibt sich zu:Â
$$ r_o = \frac{ Z - Z_L }{ Z + Z_L } = \frac{ 0 - \sqrt{2} Z_W }{ 0 + \sqrt{2} Z_W } = -1 $$ | (1.8), wobei $$ r_o $$ := Reflexionsfaktor am Tor 1 (odd mode).
Die Amplitude am Tor 2 bleibt wie oben gleich: $$ U_{2o} = \frac{ U_{G2 } }{ 2 } $$ | (1.9)
Die Spannung am Tor 1 ergibt sich zu:Â
$$ U_{1o} = U_x (l = 0) = U_x (e^0 + r_o \cdot e^0) = U_x (e^0 + (-1) \cdot e^0) = 0 $$ | (2.0)
Damit ergeben sich die restlichen Streuparameter mit (1.6), (1.7), (1.9) und (2.0) zu:
$$ S_{12} = S_{13} = \frac{ U_{1e} + U_{1o} }{ U_{2e} + U_{2o} } = \frac{ -j \frac{U{G2}}{\sqrt{2}} + 0 }{ \frac{U_{G2}}{2} + \frac{U_{G2}}{2} } = \frac{-j}{\sqrt{2}} $$
Weiterhin lĂ€sst sich bemerken, dass eine mit Kurzschluss abgeschlossene $$ \lambda/4 $$- Leitung einen Leerlauf am anderen Ende Darstellt. Das hat zur Folge, dass die HĂ€lfte des konzentrierte Wiederstandes, der in einer SymmetirhĂ€lfte vorkommt dem Wellenwiderstand entsprechen muss. Â
1.4 Ergebnis der komplexen Streuparameter-Matrix
$$ \displaystyle \begin{bmatrix} b_1 \\ b_2 \\ b_3 \end{bmatrix} = \frac{-j}{\sqrt{2}} \begin{bmatrix} 0 & 1 & 1 \\ 1 & 0 & 0 \\ 1 & 0 & 0 \end{bmatrix} \cdot \begin{bmatrix} a_1 \\ a_2 \\ a_3 \end{bmatrix} $$
1.5 Zusammenfassung
Zusammenfassend lĂ€sst sich bemerken, dass es sich bei dem Wilkinson Leistungsleiler um ein passives Schaltungseement der Mikrostreifentechnik handelt. Er muss geometrisch fĂŒr eine Bertiebsfrequenz (Sinus- bzw. Kosinus- Schwingung) skaliert werden. Interessant zu klĂ€ren wĂ€re die Funktion fĂŒr ein Betriebs in RĂŒckwĂ€rtsrichtung. Dazu muss theoretisch die Streumatrix invertiert und auf die andere Seite der Gleichung gebracht werden, was aber fĂŒr dieses Ergebnis nicht möglich ist, da kein sinnvolles Ergebnis rauskommt. HierfĂŒr ist eine komplexere Beschreibung notwendig.
Der Wiki.inG-Beitrag stĂŒtzt sich auf die unten angegebenen Quellen 1 und 2.
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2. Der Rat-Race-Koppler
Abb. 2.1: Rat-Race-Koppler
Der Rat-Race-Koppler findet hĂ€ufigen Einsatz fĂŒr die Verkopplung oder Trennung von hochfrequenten Signalen. Dieser Ringkoppler wird auch als 180°-Hybrid bezeichnet. Der Koppler als Mikrostreifenstruktur besteht aus verscheiden LeitungslĂ€ngen, abhĂ€ngig von der genutzten WellenlĂ€nge. Die Leitungen zwischen den Toren 1,2,3 und 4 sind jeweils λ/4 lang und die LeitungslĂ€nge zwischen Tor 1 und 4 misst 3/4 λ.
Um eine möglichst gute Anpassung zu erreich mĂŒssen die Zuleitungen zum Koppler den gleichen Wellenwiderstand von Zw haben und die Verbindungsleitungen den Wellenwiderstand von $$ Z_W \cdot \sqrt{2} $$.
Durch die gewĂ€hlten leitungslĂ€ngen von λ/4 âLeitungstransformatoren und einer λ/2 - Verzögerungsleitung ergeben sich verschiedene PhasenĂ€nderungen zwischen den Toren (s. Tabelle 2.1). Der Rat-Race-Koppler weiĂt im Vergleich eine gröĂere Bandbreite als der Branchline-Koppler auf.
Divider
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Als Leistungsteiler wird der Rat-Race-Koppler an einem Tor mit einem Eingangssignal gespeist und an zwei Ausgangstoren erhÀlt man die gleich aufgeteilte Leistung. Ein Tor ist komplett entkoppelt.
Abb. 2.2: Rat-Race-Koppler als Divider
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Das Verhalten des âdividersâ ist durch die Ăberlagerungen der Signale mit unterschiedlichen Phasenverschiebungen zu erklĂ€ren. Bei der Ăberlagerung zweier Wellen mit gleicher Amplitude aber einem Phasenversatz von 180° zueinander, kommt es zu einer destruktiven Ăberlagerung und somit zur Auslöschung der Signale. Findet eine Ăberlagerung zweier Wellen mit gleicher Phase zueinander statt, so kommt es zu einer konstruktiven Ăberlagerung und die Signale werden aufaddiert. In der nachfolgenden Tabelle sind fĂŒr den Fall der Leistungsteilung die zueinander verschiedenen Phasen an den Toren gegeben.
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Tor 1 |
Tor 2 |
Tor 3 |
Tor 4 |
Tor 1 |
0° |
-90° |
0° |
-270° |
Tor 2 |
-90° |
0° |
-90° |
0° |
Tor 3 |
0° |
-90° |
0° |
-90° |
Tor 4 |
-270° |
0° |
-90° |
0° |
Tabelle 2.1: VerhÀltnis der Phasen zwischen den Toren
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Es ergibt sich somit die folgende Streumatrix fĂŒr den Rat-Race-Leistungsteiler
$$ \displaystyle S = \frac{-j}{\sqrt{2}} \begin{bmatrix} 0 & 1 & 0 & -1 \\ 1 & 0 & 1 & 0 \\ 0 &1 & 0 & 1 & \\ -1 & 0 & 1 & 0 & \end{bmatrix} $$
Combiner
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Nach demselben Prinzip kann der Rat-Race-Koppler als Leitungskombinierer verwendet werden. Werden nun zwei EingÀnge mit der Leistung P/2 gespeist, so erhÀlt man an einem Ausgangsport die Addition der Signale und ein entkoppeltes Tor.
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Abb. 2.3: Rat-Race-Koppler als Combiner
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Gegentaktanregung
Eine weiter besondere Anwendung des Rat-Race-Kopplers ist im Gegentakt Betrieb zu sehen. Durch die Anregung an zwei Ports mit einer Phasenverschiebung von 180° , ergibt sich eine Summation und eine Differenzenbildung der Signale.
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Als weiteres Beispiel ist unter dem nachfolgenden Link ein Video der Wellenausbreitung in einem Rat-Race- Koppler zu sehen. Das Video zeigt die Ergebnisse eines Feldsimulationstools. Es ist die eingespeiste Leistung an einem Tor zu erkennen und die sich ausbreitenden Wellen. Ab zwei Ausgangstoren sieht man eine geringere Amplitude als das Eingangssignal. Wie bereits vorgestellt bleit ein Tor entkoppelt.
http://zomobo.net/play.php?id=Po6AgPr2aRY(20.06.12; 08:27)
Animation Video Rat-Race-Leistungsteiler.
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3. Der Hybridkoppler (Branchline coupler)
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Bei dem Hybridkoppler handelt es sich um einen schmalbandigen Leistungsteiler bzw. Leistungskombinierer. Der symmetrische Aufbau besteht, wie in Abbildung 1 zu sehen ist, aus 4 Ein-/AusgÀngen und 4 λ/4-Transformatoren. Die Schmalbandigkeit resultiert aus der verwendeten Geometrie, die auf λ/4-Transformatoren aufbaut und somit auf eine feste WellenlÀnge λ ausgelegt ist. Damit der Hybridkoppler breitbandiger wird, können zwei Koppler kaskadiert werden.
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Divider
Der Hybridkoppler kann als Leistungsteiler realisiert werden. HierfĂŒr wird am Port 1 ein Signal eingespeist und die Leistung teilt sich zu gleichen Teilen (je -3dB, daher 3-dB-Hybrid) an Port 2 und 3 mit einer Phasendifferenz von 90° auf. Port 4 ist in diesem Zustand entkoppelt.
Das LeistungsverhÀltnis zwischen Port 2 und 3 kann aber mithilfe der Dimensionierung des Leitungswellenwiderstands der Leitungen a und b variiert werden, z.B. 10dB-Hybrid. Um einen Hybriden zu dimensionieren können folgende ZusammenhÀnge ausgenutzt werden:
$$ Z_{0,a} = Z_0 \cdot \sqrt{\frac{\frac{P_{Port1}}{P_{Port2}}}{1+\frac{P_{Port1}}{P_{Port1}}}} $$ (3.0)
$$ Z_{0,b} = Z_0 \cdot \sqrt{\frac{P_{Port1}}{P_{Port2}}} $$ (3.1)
Im Internet lassen sich auch mehrere Seiten finden, auf denen man sich diese Werte berechnen lassen kann, z.B. http://www.microwaves101.com/ .
Combiner
Der Hybridkoppler kann auch als Leistungskombinierer benutzt werden. Hierzu mĂŒssen zum Beispiel die an Port 2 und 3 eingekoppelten Signale um 90° phasenverschoben sein. So kann das resultierende Signal an Port 1 abgegriffen werden. Port 4 ist in diesem Zustand entkoppelt.
Streuparameter
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Mathematisch werden die Streuparameter eines idealen Hybridkopplers mittels folgender Formel beschrieben:
$$ S= \frac{1}{\sqrt{2}}
\begin{bmatrix}
0 & -j & -1 & 0\\
-j & 0 & 0 & -1\\
-1 & 0 & 0 & -j\\
0 & -1 & -j & 0\\
\end{bmatrix}$$
Anwendungen
In der Praxis werden Hybridkoppler zur Aufteilung eines Signals in mehrere Signalpfade benutzt. Diese einzelnen Signale werden danach einzeln bearbeitet, z.B. verstÀrkt im Sendefall oder im Empfangsfall gemessen.
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4. Leitungskoppler
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Eine einfache und doch vielfĂ€ltige Realisierung eines Leistungsteilers findet sich im doppeltsymmetrischen Leitungskoppler (Abb. 4.1). Dieses Viertor besteht aus zwei einander angenĂ€herten Leitungen mit der elektrischen LĂ€nge ÎČl, zwischen denen eine kapazitive Kopplung entsteht. Der Grad dieser Kopplung lĂ€sst sich ĂŒber den Abstand der Leitungen einstellen.Â
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Abbildung 4.1: Leitungskoppler
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Unter der Annahme eines homogenen TEM-Systems mit idealen, verlustlosen Leitern ist die Phasenkonstante ÎČ der Eigenwellen beider Leiter gleich. Daher lĂ€sst sich die Beschreibung ĂŒber Gleich- und Gegentaktanregung fortfĂŒhren.
Gleich- und Gegentaktanregung
Eine Gleichtaktanregung (+) wird durch das gleichzeitige Anlegen eines amplituden- und phasengleichen Signals an den Toren 1 und 4 erreicht. Die einlaufende Welle $$ a_1 $$ im Koppelbereich lÀsst sich also wie folgt aufteilen:
$$ a_1^+ = \frac{1}{2}Â a_1 , a_4^+ = \frac{1}{2}Â a_1 $$
Die Gegentaktanregung (-) wird erzielt, indem die Signale um 180° phasenverschoben eingefĂŒgt werden, sodass sich das Signal im Koppelbereich zu null aufhebt.
$$ a_1^- = \frac{1}{2} a_1 , a_4^- = - \frac{1}{2} a_1 $$
Die Bedingung hierbei ist, dass sich bei linearer Superposition eine Anregung nur an Tor 1 einstellt:
$$ a_1 = a_1^+ + a_1^- $$
und sich die Einkopplung an den anderen Toren identisch zu null ergibt:
$$ a_2 = a_3 = a_4 = 0 . $$
Hiermit ist es bereits möglich, die Streumatrix des Leitungskopplers zu berechnen.
Direkt ersichtlich sind die durch $$ a_1^+ $$ und $$ a_1^- $$ erzeugten Wellen an Tor 1 und 2:
$$ b_1 = b_1^+ + b_1^- = S_{11}^+ \cdot a_1^+ + S_{11}^- \cdot a_1^- = \frac{1}{2} \cdot ( S_{11}^+ + S_{11}^- ) \cdot a_1 $$
$$ b_2 = b_2^+ + b_2^- = S_{21}^+ \cdot a_1^+ + S_{11}^- \cdot a_1^- = \frac{1}{2} \cdot ( S_{21}^+ + S_{21}^- ) \cdot a_1 $$
Aufgrund der Symmetrie lĂ€sst sich dieser Zusammenhang auch durch $$ a_4^+ $$ und $$ a_4^- $$ fĂŒr die Tore 3 und 4 herstellen:
$$ b_3 = b_3^+ + b_3^- = S_{21}^+ \cdot a_4^+ + S_{11}^- \cdot a_4^- = \frac{1}{2} \cdot ( S_{21}^+ - S_{21}^- ) \cdot a_1 $$
$$ b_4 = b_4^+ + b_4^- = S_{11}^+ \cdot a_4^+ + S_{11}^- \cdot a_4^- = \frac{1}{2} \cdot ( S_{11}^+ - S_{11}^- ) \cdot a_1 $$
Durch Abgleich mit der Streumatrix $$ [b] = [S] \cdot [a] $$ erhÀlt man die Streuparameter:
$$ S_{11} =Â \frac{1}{2} \cdot ( S_{11}^+ + S_{11}^- ) , $$
$$ S_{21} =Â \frac{1}{2} \cdot ( S_{21}^+ + S_{21}^- ) , $$
$$ S_{31} =Â \frac{1}{2} \cdot ( S_{21}^+ - S_{21}^- ) , $$
$$ S_{41} =Â \frac{1}{2} \cdot ( S_{11}^+ - S_{11}^- ) . $$
Mithilfe von ReziprozitÀt und Symmetrie sind nun auch alle weiteren Streuparameter bekannt:
$$ S_{11} =Â S_{22} =S_{33} =Â S_{44} , $$
$$ S_{21} =Â S_{12} =Â S_{34} =Â S_{43} , $$
$$ S_{31} =Â S_{13} =Â S_{42} =Â S_{24} , $$
$$ S_{41} =Â S_{14} =Â S_{32} =Â S_{23} . $$
Kettenmatrix
Durch EinfĂŒhrung der WellenwiderstĂ€nde $$ Z_e $$ und $$ Z_d $$ fĂŒr Gleich- bzw. Gegentaktanregung können die Streuparameter mithilfe der Kettenmatrizen fĂŒr verlustlose Leitungen beschrieben werden:
$$ \begin{bmatrix} A^+ & B^+ \\ C^+ & D^+ \end{bmatrix} = \begin{bmatrix} cos \beta l & j \frac{Z_e}{Z_0} sin \beta l \\ j \frac{Z_0}{Z_e} sin \beta l & cos \beta l \end{bmatrix} $$
$$ \begin{bmatrix} A^- & B^- \\ C^- & D^- \end{bmatrix} = \begin{bmatrix} cos \beta l & j \frac{Z_d}{Z_0} sin \beta l \\ j \frac{Z_0}{Z_d} sin \beta l & cos \beta l \end{bmatrix} $$
Durch die Korrenspondenz zwischen Ketten- und Streumatrix lassen sich nun die einzelnen Streuparameter berechnen:
$$ S_{11} = \frac{A+B-C-D}{A+B+C+D}, $$
$$ S_{12} = \frac{2 \cdot (AD-BC)}{A+B+C+D}, $$
$$ S_{21} = \frac{2}{A+B+C+D}, $$
$$ S_{22} = \frac{-A+B-C+D}{A+B+C+D}, $$
Beispielhaft wird das Ergebnis fĂŒr $$ S_{11}^+ $$ angegeben werden:
$$ S_{11}^+ = \frac{ j ( \frac{Z_e}{Z_0} - \frac{Z_0}{Z_e} ) sin \beta l }{ 2 cos \beta l + j ( \frac{Z_e}{Z_0} - \frac{Z_0}{Z_e} ) sin \beta l } $$
Ergebnis
Es zeigt sich, dass die Eingangsreflexion $$ S_{11} $$ sowie die Transmission zu Tor 3 $$ S_{31} $$ identisch null werden, wenn man $$ \frac{Z_e \cdot Z_d}{Z_0^2} = 1 $$ wÀhlt.
Weiter lĂ€sst sich zwischen $$ S_{21} $$ und $$ S_{41} $$ eine frequenzunabhĂ€ngige Phasenverschiebung von 90° erkennen, welche auf die UnitaritĂ€t fĂŒr verlustlose und passive Vierpole bei doppelter Symmetrie zurĂŒckzufĂŒhren ist.
AnwendungÂ
Eine Anwendung des Leitungskopplers ist die Bestimmung von Messobjekten (MO) anhand ihrer Streuparameter. SchlieĂt man ein MO an Tor 2 an und speist ein Signal ĂŒber Tor 1 ein, so lassen sich die einfallende Welle an Tor 4, die reflektierte Welle an Tor 3 messen. Dieses Prinzip wird gerne in Netzwerk- oder Spektrumanalysatoren angewandt.
Desweiteren kann der Leitungskoppler als Teil eines Mischers verwendet werden, indem ein RF Signal an Tor 1 und eine Pumpfrequenz an Tor 3 eingespeist und gemeinsam an Tor 4 abgegriffen werden können.
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Literaturhinweise
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1. Halbleiterschaltungstechnk| Buch in 13. Auflage | U. Tietze
2. Hochfrequenztechnik | Script 2009 | T. Zwick
3. Höchstfrequenztechnik: Grundlagen, Schaltungstechnik, Messtechnik, Planare Antenne; G. Gronau; Springer DE, 2001
4. Hochfrequenztechnik: Hochfrequenzfilter, Leitungen, Antennen; O.Zinke, H. Brunswig; Springer DE, 2000
5. Hochfrequenztechnik: Bauelemente, Schaltungen, Anwendungen; Edgar Voges; HĂŒttig 2004
6. Internetquellen: http://www.microwaves101.com/ (06.08.2012)
7. Grundlagen der Hochfrequenz-Messtechnik, B. Schiek, Springer 1999
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