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Im Zentrum des interdisziplinären Seminars steht das Paradigma des Tragischen schlechthin – der thebanische König Ödipus, der durch seine überragende Klugheit das göttliche Orakel glaubt austricksen zu können und es dadurch gerade erfüllt und zur tragischen Figur wird: Ödipus erschlägt den ihm unbekannten Vater, heiratet unwissentlich seine Mutter und zeugt mit ihr Kinder, die zugleich seine Geschwister sind.

Neben antiken dramatischen Bearbeitungen des Stoffes (Sophokles, Seneca) lesen und diskutieren wir literaturkritische Abhandlungen (Lessing), nachantike Übersetzungen (Hölderlin) sowie poetologische Texte (Aristoteles). Im letzten Drittel des Semesters wechselt der Schwerpunkt der Veranstaltung mit Roland Schimmelpfennigs 2023 als Fischer-Taschenbuch erschienener Theben-Serie Anthropolis in die Gegenwartsliteratur und aufs Gegenwartstheater, und mit diesem Wechsel wandelt sich der Veranstaltungsmodus zum Projektseminar in Zusammenarbeit mit der Wiener Theatertruppe theater2go (https://www.theater2go.at/home), die aus Schimmelpfennigs Anthropolis-Serie das Stück Laios zentral setzt und damit die Perspektiven des Ungeheuers (der Sphinx) und von Ödipus’ Vater (Laios). Der gemeinsame Besuch der Aufführung von Laios im Kulturhaus Thealozzi (Pestalozzistraße 21, 44793 Bochum) am Samstag, dem 16. Januar 2027, 17:00 Uhr, das anschließende Publikumsgespräch mit der Schauspieltruppe sowie ein Arbeitstreffen mit dem Ensemble am Vormittag des 17. Januar sind verpflichtender Bestandteil des Seminars, das Einblicke hinter die Kulissen, in die produktionsästhetische Perspektive sowie in das Ausprobieren alternativer Entwürfe für einzelne Szenen eröffnet.

Teilnahmevoraussetzungen: Lektüre der Sophokles-Übersetzung „Oedipus der Tyrann“ von Friedrich Hölderlin (1804). [Link zum Exemplar der Lippischen Landesbibliothek Detmold: https://s2w.hbz-nrw.de/urn/urn:nbn:de:hbz:51:1-13492]

Teilnahmebedingungen sind regelmäßige aktive Mitarbeit, die Übernahme einer Sitzungsleitung und das Verfassen einer schriftlichen Hausarbeit. Griechisch- und/oder Lateinkenntnisse sind willkommen, aber keine Teilnahmevoraussetzung.

Semester: WT 2026/27
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