Das, was wir unter Moderne fassen, ist das Ergebnis historischer Transformationsprozesse. Die Avantgarden des 19. und frühen 20. Jahrhunderts entstehen nicht losgelöst von der akademischen Tradition, sondern aus der produktiven Auseinandersetzung mit ihr. Ausgehend von dieser Prämisse nimmt die Vorlesung anhand ausgewählter Werke die Veränderungen der Kunst Frankreichs in den Blick von der Gründung der Akademie in der Mitte des 17. Jahrhunderts bis in die 1950er Jahre, also bis zu jenem Zeitpunkt, als Serge Guilbaut pointiert formulierte: New York Stole the Idea of Modern Art. Im Zentrum der Vorlesung steht die Frage, wie sich die Institutionalisierung von Kunst verändert und welche Folgen dies für die künstlerische Produktion, Bewertung und Wahrnehmung hat. Die Akademie wird dabei nicht nur als Ausbildungs- oder Verwaltungsinstitution verstanden, sondern anknüpfend an Michel Foucaults Analysen moderner Institutionen als Ort, an dem Wissen, Normen und Machtverhältnisse hervorgebracht und stabilisiert werden. Auch dort, wo Künstlerinnen und Künstler die Akademie ablehnen oder bekämpfen, bleibt sie bis weit ins frühe 20. Jahrhundert der zentrale Bezugspunkt, an dem sich ästhetische Positionen und künstlerische Selbstverständnisse ausbilden. Vermittels der Untersuchung exemplarischer Werke, ihrer Entstehungs- und Wirkungsgeschichte sowie der Veränderungen ästhetischer Normen, Ausstellungspraktiken und Kunstbegriffe und der Herausbildung neuer Öffentlichkeiten zielt die Vorlesung darauf ab, zu zeigen, dass und inwiefern moderne Kunst und Kunstvorstellungen in spezifischen historischen, institutionellen und gesellschaftlichen Bedingungen gründen. Sie eröffnet einen grundlegenden Zugang zur Entstehung dessen, was wir als Moderne bezeichnen. Die Vorlesung wird mit einer Klausur abgeschlossen.

Semester: WiSe 2026/27