Beginnend mit den 1990er Jahren hat sich seither die Prekarisierungsforschung in dem ,Mainstream‘ der deutschen Soziologie fest etabliert. Beeinflusst durch die französische Prekarisierungsforschung und beispielsweise mit Bezug auf die Auswirkungen zentraler Arbeitsmarkt- und Wohlfahrtsstaatsreformen (Stichwort Agenda 2010 z.B.), wurden theoretische Perspektiven (weiter-)entwickelt und empirische Studien zur Prekarisierung von Arbeit erhoben. Die analytische Brille auf die Prekarität von Erwerbs- und Lebenslagen hat auch heute nichts an Aktualität eingebüßt. Durch die Nutzung z.B. von neuen Technologien, der Etablierung etwa von Plattformarbeit, aber auch im Zusammenhang mit aktuellen Debatten zur Reformierung des Sozialstaates lassen sich nach wie vor oder umso mehr (?) Fragen nach der Entsicherung von Erwerbsarbeit und der Prekarität von Erwerbs- und Lebenslagen stellen. Hierbei geht es nicht nur allein darum, ob Erwerbsarbeit tatsächlich bzw. objektiv prekär ist, sondern ob diese subjektiv als prekär wahrgenommen wird. Diese Perspektive öffnet wiederum den Blick auf den Zusammenhang von objektiver sowie subjektiv gefühlter Prekarität und dem Erstarken von politischem Populismus und Extremismus.
Vor diesem Hintergrund wird in dem Seminar die Prekarisierungsdebatte mit Bezug auf unterschiedliche Arbeitsmarkt- und Tätigkeitsbereiche (z.B. Industrie- und Plattformarbeit, soziale Dienstleistungen) sowie dem Wandel des Wohlfahrtstaates nachgezeichnet und in dieser Hinsicht auch die Relevanz von geschlechterbezogenen Ungleichheitslagen thematisiert. Punktuell werden in dem Seminar auch Bezugspunkte zu der Frage hergestellt, inwiefern die Prekarisierung von (Erwerbs-)Arbeit (möglicherweise) populistische und extremistische Strömungen stärkt.

Semester: WT 2026/27