Das Seminar untersucht Piraterie im atlantischen Raum zwischen dem 16. und frühen 18. Jahrhundert als integralen Bestandteil imperialer Expansion und kolonialer Gesellschaftsbildung. Im Mittelpunkt steht der Wandel von der staatlich legitimierten Freibeuterei (verkörpert durch Figuren wie Francis Drake und Henry Morgan) zur goldenen Ära der Piraterie (ca. 16501730), in der ehemalige Seeleute, Deserteure, versklavte und freie Schwarze auf eigene Rechnung operierten. Analysiert werden die politischen, rechtlichen und ökonomischen Strukturen, in denen Piraterie florierte, ebenso wie ihre sozialen und kulturellen Dimensionen. Orte wie Port Royal, Tortuga und Nassau werden als transimperiale Kontaktzonen untersucht, in denen sich Menschen, Sprachen, Religionen und Waren zwischen europäischen Mächten, afrikanischen Küsten und lateinamerikanischen Häfen bewegten. Im Fokus steht die Frage, wie Piraterie zur Herausbildung und zugleich zur Unterwanderung kolonialer Ordnungen beitrug; als Spiegel der Gewalt, der Ungleichheit und der globalen Verflechtungen des atlantischen Zeitalters. Quellen wie koloniale Korrespondenzen, Prozessakten, Reiseberichte, Karten und zeitgenössische Chroniken bilden die Grundlage der Analyse.

Semester: WiSe 2026/27