Auch wenn die lokale Ebene mit dem öffentlichen Gesundheitsdienst (ÖGD) bzw. den Gesundheitsämtern formal eine wichtige Ebene der Durchführung öffentlicher Aufgaben im Feld der Gesundheitspolitik in Deutschland darstellt, spielten die Kommunen (Städte, Gemeinden, Landkreise) als gesundheitspolitische Handlungsträger oder gar (Mit-)Gestalter lange Zeit eine untergeordnete Rolle. In der jüngeren Vergangenheit wandelt sich dies. Erstens gewinnen Prävention und Gesundheitsförderung als Bausteine öffentlicher Gesundheit und wichtige Aspekte im Aufgabenspektrum des ÖGD seit Jahren an Bedeutung mit der Folge, dass auch Kommunen stärker als gesundheitspolitische Akteure wahrgenommen werden. Zweitens bilden Strukturveränderungen (z.B. Ärztemangel in ländlichen Räumen) sowie reformbedingte Einschnitte (z.B. Krankenhausreform) im dominanten Policy-Teilfeld der Krankenversorgung einerseits und Erwartungen der lokalen Bevölkerung mit Blick auf die Sicherung der gesundheitlichen Versorgung vor Ort andererseits den Hintergrund dafür, dass Kommunen auch im Feld der Versorgung aktiver werden (z.B. bei der Versorgung vulnerabler Bevölkerungsgruppen oder dem Betrieb von Versorgungszentren). Drittens bilden (neue) Policy-Herausforderungen (z.B. Pandemien, Migration, Armut) Anlässe für kommunales Tätigwerden in diesem Politikfeld. Das Forschungsseminar widmet sich ausgehend von der Beobachtung dieser Entwicklungen der Analyse des Gesundheitssystems und der Gesundheitspolitik in Deutschland aus der lokalen Perspektive. In einem ersten Teil werden das deutsche Gesundheitswesen mit seinen föderal-korporatistischen Organisationsstrukturen, der Aufgabenverteilung zwischen seinen Kernakteuren und den Ebenen sowie der Finanzierung von Gesundheit betrachtet und dabei ein spezifischer Blick auf die Einbettung der lokalen Ebene und der Kommunen in diesen institutionellen Rahmen geworfen. Im zweiten Teil präsentieren und diskutieren die Studierenden aktuelle Themen, Studien und Forschungsergebnisse zu unterschiedlichen Aspekten der Gesundheitspolitik auf lokaler Ebene. Im dritten Teil geht es um die Vermittlung der Grundlagen zur Erarbeitung eigener Forschungsfragen und für die Erstellung von Forschungsdesigns dazu. Die Studierenden entwickeln auf dieser Basis eigene Fragestellungen und Forschungspläne. Texte in deutscher und englischer Sprache zu den Schwerpunkten der einzelnen Sitzungen werden über Moodle bereitgestellt und müssen für die jeweilige Sitzung vorbereitet werden.

Semester: WT 2026/27