In den letzten Jahrzehnten haben Fortschritte in der Genetik, den Neurowissenschaften, der Pharmakologie und der Computertechnik bisher ungeahnte Möglichkeiten eröffnet, menschliche Fähigkeiten gezielt zu verändern und zu verbessern. Diese Entwicklungen werfen grundlegende ethische Fragen nach dem Verhältnis von Natur und Technik auf: Welche Bedeutung kommt unserer natürlichen Ausstattung für moralisches Handeln zu? Und inwiefern dürfen oder sollten technische Eingriffe unsere moralischen Fähigkeiten erweitern?

Im Mittelpunkt des Seminars steht die Debatte um das sogenannte moralische Enhancement, also die gezielte Verbesserung der menschlichen Fähigkeit zu moralischem Handeln durch wissenschaftliche oder technologische Mittel. Zunächst klären wir grundlegende Fragen zum Begriff des Enhancements: Was ist unter „Enhancement“ zu verstehen? Welche Rolle spielen Vorstellungen von Natur, Autonomie und menschlichem Wohlergehen in der aktuellen Enhancement-Debatte? Anschließend wenden wir uns spezifischen Herausforderungen zu. Dabei diskutieren wir unter anderem, ob moralisches Verhalten technisch verbessert werden kann, ohne Freiheit und Verantwortung zu untergraben, oder welche Rolle Emotionen, Vernunft und Charakter für moralische Urteile spielen. Schließlich fragen wir, ob angesichts globaler Herausforderungen eine moralische Verbesserung des Menschen wünschenswert oder sogar geboten sein könnte, und welche Chancen und Gefahren mit einer technischen Gestaltung moralischen Handelns verbunden sind.

Semester: WiSe 2026/27