Die Erfahrungen von kollektiver Gewalt und Völkermord stellen ungebrochen eine Herausforderung ästhetischer Reflexionen und literarischer Annäherungen dar. Deutlich wird diese Herausforderung nicht zuletzt in dem Spannungsverhältnis von vermeintlichem Repräsentationsverbot (Adorno: »Nach Auschwitz ein Gedicht zu schreiben, ist barbarisch«) und einem Verständnis von Literatur als Medium »Sekundärer Zeugenschaft« (Geoffrey Hartman). Trotz – oder gerade aufgrund? – dieser Herausforderung sind die Beispiele literarischer Reflexion von Gewalt und Völkermord kaum zu überschauen. Im Seminar soll der Fokus auf einen spezifischen Bereich der Literatur gelenkt werden: auf Dramentexte und das (Sprech- und Musik-)Theater. Welche Strategien einer literarisch-dramatischen Auseinandersetzung lassen sich beobachten und unterscheiden? Was erscheint im Drama sagbar und wie wird es sagbar gemacht? Wie werden schließlich Gewalt und Gewalterfahrung »auf die Bühne gebracht«? Diese und weitere Fragen sollen anhand von (deutsch-, englisch- und französischsprachigen) Dramentexten und Opernlibretti sowie Aufführungen/Inszenierungen aus dem Bereich des Sprech- und Musiktheaters diskutiert werden.

Semester: WiSe 2026/27