Im Jahr 1884 Jahr proklamierte das Deutsche Reich seine »Schutzherrschaft« über das Territorium des heutigen Namibia. Mit diesem Schritt trat es – verhältnismäßig spät – in die Phase des modernen Imperialismus ein. Bis 1914 entstand dann aber das nach Großbritannien und Frankreich drittgrößte Kolonialreich der Erde, zu dem Gebiete im heutigen Namibia (Deutsch-Südwestafrika), Tansania, Ruanda und Burundi (Deutsch-Ostafrika), Kamerun und Togo sowie kleinere Besitzungen im Pazifik und in China (Kiautschou) gehörten.

Die Etablierung der deutschen Kolonialherrschaft stützte sich dabei nicht zuletzt auf militärische Gewalt, Vertreibung und die Zerstörung traditioneller Wirtschafts- und Sozialstrukturen sowie kultureller Überlieferungsketten. Durch Zwangsarbeit, Kopf-Steuern sowie Landenteignungen wurden die einheimischen Bevölkerungen in den Dienst deutscher Plantagenwirtschaften und Infrastrukturprojekte gezwungen. Rassistische Hierarchien bildeten das Fundament, auf dem die Kolonialverwaltung agierte; rechtliche Ungleichbehandlung und drakonische Strafen waren gängige Praxis. Widerspruch und Aufstände gegen die Fremdherrschaft wurden brutal niedergeschlagen. Dies führte zu massiven Gewaltexzessen, die in der historischen Forschung als koloniale Vernichtungskriege und teils als Genozide eingeordnet werden.

Im Seminar soll die Geschichte des deutschen Kolonialismus und Imperialismus sowie die Geschichte der deutschen Kolonien in einem polykontexturalen Feld untersuchen, in dem politik-, wirtschafts- und militärgeschichtliche Perspektiven mit sozial- und vor allem auch kulturgeschichtlichen Fragestellungen verbunden werden.

Semester: WiSe 2026/27