Es gibt wohl keinen geeigneteren Gegenstand als die Sklaverei, um die Welt des langen 19. Jahrhunderts in ihrer Widersprüchlichkeit verstehen zu lernen. Einerseits war dies ein Zeitraum des Widerstands gegen die Sklaverei. Vielerorts leisteten Menschen Widerstand gegen ihre Versklavung, zudem formierte sich seit dem ausgehenden 18. Jahrhundert mit dem Abolitionismus eine humanitäre Bewegung, die auf die Abschaffung dieser Institution abzielte. Andererseits waren die atlantische Sklaverei-Plantagen, wie in der neueren Forschung gezeigt wurde, Zentren des globalen Kapitalismus, die auch die Industrielle Revolution in Großbritannien und die Expansion des britischen und anderer Imperien ermöglichten. Dieses Seminar untersucht die konflikthafte Dynamik zwischen der Fortdauer der Sklaverei (bis in die 1860er Jahre in den USA, bis in die 1880er Jahre in Brasilien und Kuba) und den Kampagnen zu ihrer Abschaffung. Auch letztere waren häufig von Ambivalenzen geprägt – abolitionistische Politik ließ sich in vielen Fällen mit der Aufrechterhaltung einer rassistischer Ordnung ebenso verbinden wie mit Projekten kolonialer Expansion. In diesem Hauptseminar befassen wir uns anhand verschiedener Primärquellen und der geschichtswissenschaftlichen Forschung, insbesondere neueren Arbeiten, mit einem Fokus auf den atlantischen Raum, mit Sklaverei und Abolitionismus als globalen Phänomenen.

Semester: ST 2026
Organisationseinheit: - Kurs gehört nicht zu einer Lehrveranstaltung -