*Wir beginnen in der ersten Vorlesungswoche, wie angekündigt. Weitere Informationen gibt es hier am ersten Seminartag.

Dieses Seminar geht von der Annahme aus, dass das Klima eine prägende Kraft komplexer Gesellschaften ist, selbst dort, wo diese Tatsache geleugnet oder politisch abgewehrt wird. Der Klimawandel greift tief in soziale Ordnungen, kulturelle Selbstverständlichkeiten und politische Konflikte ein und verlangt nach weitreichenden Umstellungen alltäglicher Lebensweisen. Er fordert auch die Sozialwissenschaften hinaus. Zugleich zeigt sich, dass die Zumutungen des Klimawandels höchst ungleich verteilt sind und sowohl Gesellschaften als auch Menschen den Klimawandel weder gleichzeitig noch auf dieselbe Weise erfahren, was sich in unterschiedlichen Betroffenheiten und Verantwortungszuschreibungen niederschlägt. Während einige Akteure bereits mit existenziellen Folgen konfrontiert sind, erscheint das Problem für andere abstrakt, fern oder aufschiebbar (gar abzulehnen), was politische Konflikte ebenso strukturiert wie Fragen sozialer Gerechtigkeit. Klima ist daher immer auch Kultur, denn es wird fortlaufend darum gerungen, welche Ursachen sichtbar werden, welche Handlungen normalisiert und welche Risiken individualisiert oder kollektiviert werden. Das Seminar untersucht Kultur als einen umkämpften Raum, in dem sich entscheidet, ob der Klimawandel als technisches Sachproblem, als moralische Frage oder als grundlegende Herausforderung gesellschaftlicher Ordnung begriffen wird. Dabei geht es uns darum, Unterscheide zunächst einmal wahrnehmbar und diskutierbar zu machen und zentrale kulturelle wie ökonomische Widersprüche herauszuarbeiten. Das führt auch dazu, grundlegende Kategorien der Sozialwissenschaft zu überprüfen, wie es anhand von Debatten um das „Anthropozän“ geschieht.


Voraussetzungen für Studiennachweise / Modulprüfungen:

Referat

Semester: SoSe 2026
Organisationseinheit: Fakultät für Sozialwissenschaft