*Wir beginnen in der ersten Vorlesungswoche, wie angekündigt. Weitere Informationen gibt es hier am ersten Seminartag.

Dieses Seminar widmet sich Erfahrungen ökonomischer Transformation, wie sie in (post)sozialistischen Regionen gemacht werden, und bringt zwei scheinbar weit voneinander entfernte Kontexte in einen Dialog: Ostdeutschland und Vietnam. Das Thema ist zeitgenössisch höchst anschlussfähig. Im Jahr 2026 stehen in wichtigen ostdeutschen Bundesländern Landtagswahlen an, wodurch Geschichte und Zukunft der Region erneut in den Fokus rücken – insbesondere die Erfahrungen, die Menschen mit dem Systemumbruch gemacht haben, dem „Goodbye Lenin“. Der Osten Deutschlands gilt dabei häufig als abgeschlossene Transformationsgeschichte, ist jedoch bis heute von strukturellen Ungleichheiten, demografischem Wandel und anhaltenden Aushandlungen von Zugehörigkeit und politischer Repräsentation geprägt. Vietnam wiederum steht seit einigen Jahren im Zentrum internationaler Debatten, da es nach China die höchsten ökonomischen Wachstumsraten verzeichnet und zugleich zwischen „Ost“ und „West“ vermittelt: Die USA, einst erbitterter Kriegsgegner, sind zu einem wichtigen Verbündeten geworden, während Vietnam den Handelskonflikt zwischen China und den USA strategisch für sich zu nutzen weiß. Während der Osten Deutschlands einen klaren Bruch mit dem Sozialismus vollzogen hat, strebt die Kommunistische Partei Vietnams – als eines der letzten Länder – weiterhin eine sozialistische Gesellschaft an. Marxismus-Leninismus lautet das offizielle Programm, wofür einst der Norden und Süden des Landes vereint wurden. In der Realität ist Vietnam jedoch von einem Hyperkapitalismus geprägt, der trotz hoher Wachstumszahlen große Teile der Bevölkerung in Armut zurücklässt und das Land zugleich (als besonders betroffenes) schlecht auf den Klimawandel vorbereitet ist, den es durch intensive Umweltverschmutzung weiter anheizt. Der Vergleich der beiden Regionen ist kontraintuitiv und erhellend, zumal vielfältige historische und zeitgenössische Verbindungslinien bestehen, etwa in Bezug auf Migration, Rassissmus, die „Stasi“, die Abhängigkeit von Kohle oder die Ansiedlung geopolitisch wichtiger Industrien wie der Halbleiterproduktion. Ziel des Seminars ist es, diese Verflechtungen in einem interkulturellen Diskurs anhand aussagekräftiger Beispiele gemeinsam zu erschließen.


Voraussetzungen für Studiennachweise / Modulprüfungen:

Referat

Semester: SoSe 2026
Organisationseinheit: Fakultät für Sozialwissenschaft