Bilder sind aus dem gegenwärtigen Alltag nicht mehr wegzudenken und prägen soziale Wirklichkeiten, Wissensordnungen und Subjektivierungen in hohem Maße. Als eigenständiger Forschungsgegenstand wurden visuelle Materialien in den Sozialwissenschaften jedoch lange Zeit vernachlässigt oder lediglich randständig behandelt. Mit dem sogenannten visual turn vollzieht sich seit den 1990er-Jahren ein grundlegender Wandel: Bilder werden zunehmend als eigenständige kommunikative Gattung und als zentrale Träger sozialer Bedeutungen anerkannt.
Das Seminar bietet eine Einführung in die Methodologie und die zentralen Methoden der qualitativen sozialwissenschaftlichen Bildanalyse. Im ersten Teil des Seminars werden theoretische Grundlagen sowie unterschiedliche methodische Zugänge zur Analyse visueller Daten vorgestellt und kritisch diskutiert. Dazu zählen unter anderem bildhermeneutische, wissenssoziologische und kultursoziologische Ansätze. Im zweiten Teil des Seminars arbeiten die Studierenden in Kleingruppen mit selbst erhobenem oder ausgewähltem Bildmaterial, das eigenständig analysiert und im Plenum diskutiert wird. Die gemeinsame theoretische Klammer bilden geschlechter- und körpersoziologische Perspektiven, mit denen visuelle Repräsentationen, Normierungen und Machtverhältnisse in Bildern untersucht werden. Der Fokus liegt dabei auf Visualisierungen von Männlichkeit. Für das Seminar ist die Teilnahme an der Konferenz „Viscourses of Adolescent Masculinities in the Global North since 1960“ (10.-12.6.2026) vorgesehen.
Ziel des Seminars ist es, die Studierenden zu einer reflektierten und forschungsorientierten Anwendung qualitativer Bildanalysemethoden im Kontext der Gender Studies zu befähigen.

Semester: SoSe 2026
Organisationseinheit: Fakultät für Sozialwissenschaft