
Die Feststellungen, dass wir uns die Vergangenheit erzählend vergegenwärtigen, sie uns deutend aneignen und im narrativen Prozess einen Sinn der Geschichte produzieren, mögen die Qualität von Gemeinplätzen haben. Die narrativen Strukturen, die in einer Erzählung Anwendung finden, sowie die gattungs-, genre- oder disziplinenspezifischen Regelsysteme als begrenzende Bedingungsfelder sind dabei konstitutiv für die entlang dieser Strukturen und Regeln erzählten Geschichte. Aus den Perspektiven der Geschichtstheorie ebenso wie der Text- und Literaturtheorie sind narrative Produktion und textuelle Konstruktion von Geschichte daher keineswegs Petitessen. Ihre Untersuchung kann vielmehr Aufschluss über die narrativen Bedingungen eines Zu-Geschichte-Werdens von Vergangenheit wie auch eines Zur-Geschichte-Kommens des Menschen eröffnen.
Im Seminar werden wir uns diesen Aspekten anhand der vergleichenden Untersuchung von historiographischen Texten und historischen Romanen zu Nationalsozialismus und Holocaust wie auch zu anderen Beispielen kollektiver Gewalt im 20. Jahrhundert widmen.
- Kursleiter/in: Medardus Brehl