Emotionen und Affekte prägen unser Zusammenleben auf wesentliche Art und Weise. Auch nehmen wir Stimmungen und Atmosphären im Raum wahr, bevor überhaupt genau in Worte gefasst werden kann, warum wir ein Unbehagen oder Wohlbefinden verspüren. Das „Affiziertwerden“ durch die heimelige oder auch bedrohliche Umwelt spielt nicht nur eine Rolle für die Art und Weise, wie wir uns selbst in ein Verhältnis zur Welt setzen, sondern kann auch der Nährboden für tiefgreifende soziale Konflikte sein. Beispielsweise wird der Ekel vor fremden Gerüchen & Geschmäckern dann problematisch, wenn er zum Störfaktor für die interkulturelle Begegnung wird.

Im Seminar setzen wir uns mit einigen grundlegenden Überlegungen zum Affekt und Atmosphärischen auseinander. Im Fokus steht mitunter die Frage, in welchem Verhältnis dies zur Emotionalität, aber auch (rationaler und moralischer) Urteilsbildung steht.

Inwiefern eröffnet die Erforschung von Affekten und Emotionen, Stimmungen und Atmosphären wichtige Zugänge zum Verstehen sozialer Zugehörigkeiten & Konflikte?

Wie steht dies in Zusammenhang mit der Bedrohung oder Gewährleistung personaler Integrität?

Welche Relevanz haben mediale Repräsentationen? Inwiefern kann uns Bildlichkeit auf andere Art und Weise „affizieren“ als Sprache?

Aktuelle Forschungsperspektiven gehen dabei von der affektiven Konstitution sozialer Ordnung und der sozialen Konstitution des Affektiven aus. Dabei gehen sie mitunter weit über „reine Zwischenmenschlichkeit“ hinaus und denken Beziehungen zur belebten und unbelebten Natur mit. Dies knüpft an aktuelle Fragen zum Krisengeschehen; Klimawandel & Konsumkritik an und schafft wertvolle Einblicke in Grenzbereiche rationaler Argumentation.

Literaturauswahl:

Boesch, E. E. (2021). Musik, Sprache und die Sehnsucht nach dem Paradies. Ausgewählte Schriften zur Handlungs- und Kulturpsychologie. Psychosozial.

Boesch, E. (2006). Die Realität als Metapher. Psychologie und Gesellschaftskritik, 30(34), 9-37

Pfaller, L. & Wiesse, B. (2018). Stimmungen und Atmosphären. Zur Affektivität des Sozialen. Springer VS.

Rosa, H. (2016). Resonanz. Eine Soziologie der Weltbeziehung. Suhrkamp.

Slaby, J.; Stephan, A.; Walter, H. & Walter S. (2011). Affektive Intentionalität. Beiträge zur welterschließenden Funktion der menschlichen Gefühle. Mentis.

Straub, J. (2017): Kulturelle Unterschiede und Abjekte in der sozialen Praxis. Eine kulturpsychologische und psychoanalytische Perspektive. In: Escher, Anton u. Spickermann, Heike (Hg.): Perspektiven der Interkulturalität. Forschungsfelder eines umstrittenen Begriffs. Heidelberg: Universitätsverlag Winter, 35-72.


Semester: SoSe 2024