Identitätspolitik ist zu einem zentralen Streitpunkt unserer Zeit geworden – im politischen Diskurs, in sozialen Bewegungen, aber auch in ethischen Auseinandersetzungen um Anerkennung, Gerechtigkeit und Verantwortung. Das Seminar nimmt Kwame Anthony Appiahs Schriften zu ethischen Fragen der Identität zum Ausgangspunkt, um die aktuellen Diskussionen über Identitätspolitik philosophisch zu hinterfragen. Wir untersuchen einerseits die ideengeschichtlichen und theoretischen Wurzeln gegenwärtiger Formen von Identitätspolitik mit Blick auf ihre heutigen politischen Anliegen, stellen andererseits aber auch die Fragen, inwieweit Identität überhaupt als normative Kategorie gelten kann. In welchen Hinsichten kann Identität für moralische Ansprüche und Verpflichtungen relevant sein – und wo nicht?
Dabei diskutieren wir unter anderem die sozialpsychologischen und historischen Voraussetzungen zur Konstruktion von Identität in Abgrenzung zu anderen, das Verhältnis von individueller Autonomie und kollektiver Identität, Identität als Grundlage für moralische Anerkennung und politische Forderungen, sowie die Gefahren der Essentialisierung und der moralischen Überfrachtung von Identitätszuschreibungen. Das Seminar wird ergänzt durch einen Workshop mit auswärtigen Vortragenden im März (Termin wird noch bekannt gegeben).
Voraussetzung für die Teilnahme ist die Bereitschaft, die Texte wöchentlich gründlich durchzuarbeiten und Fragen vor der Sitzung schriftlich auf Moodle zu beantworten. Dafür werden 3 CP vergeben, ein weiteres CP wird durch ein Protokoll erworben.
- Kursleiter/in: Maria-Sibylla Lotter
- Kursleiter/in: Tim Julian Reinbacher