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  • Innovatives Lernen im Hochschulkontext - Das Inverted Classroom Modell (ICM)

    Graphik ICM

    Im Zuge der Digitalisierung der Lehre werden zunehmend innovative Lehrkonzepte entwickelt und in die Hochschullehre eingebunden, die neue Chancen fürs Lehren und Lernen eröffnen. Das Inverted Classroom Modell (ICM) ist ein Lehrmodell, das auf der Idee basiert, die grundlegenden Aktivitäten der klassischen Vorlesung „umzudrehen“. In traditionellen Lehrkonzepten erfolgt der inhaltliche Input durch die Lehrenden vor einer großen Gruppe von Studierenden im Hörsaal (in-class ), während weiterführende Aufgaben meist zu Hause in Einzelarbeit (out-of-class) bearbeitet werden. Im Inverted Classroom (IC) hingegen erfolgt die rein inhaltliche Wissensvermittlung durch multimediales Online-Material, sodass die Präsenzveranstaltung in der großen Gruppe für die gemeinsame, vertiefende Auseinandersetzung mit dem Gelernten genutzt werden kann. 

    Entdecken Sie, welche Möglichkeiten das ICM eröffnet, und sammeln Sie Ideen für ein eigenes IC-Szenario!



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  • 1. ICM im Kontext der Digitalisierung


    Da ein IC-Szenario im Vergleich zur konventionellen Vorlesung andere Anforderungen an die didaktische Planung stellt, bedarf es einiger Überlegungen, nicht nur was die angestrebten Lernziele und Kompetenzen, sondern insbesondere die daraus hervorgehende Gestaltung der Online-Inhalte sowie der Präsenzphase betrifft. Dabei sind folgende Fragen zentral:

    • Was sind die angestrebten Lernziele und zu erwerbenden Kompetenzen meiner Lehrveranstaltung?
    • Wie muss ich die Online-Plattform gestalten, um die Grundlage für die angestrebten Lernziele zu legen?
    • Wie muss ich die Lehrvideos gestalten, damit der Input möglichst effektiv ist?
    • Welche Materialien / Tools kann ich zur Unterstützung der Lehrvideos einsetzen?
    • Wie kann ich den Lernprozess der Studierenden sinnvoll begleiten und evaluieren?
    • Welche Methoden bieten sich im Rahmen meiner Lehrveranstaltung in-class an?
    • Was ist meine Rolle als Lehrende/r in der Präsenzsitzung?


    Grundlegende Infos zum ICM (Christian Spannagel)



    ICM im Kontext der Digitalisierung (Jürgen Handke)


  • 2. Konkrete Umsetzung eines IC-Szenarios


    Wie plane ich nun ein IC-Szenario? Wie erstelle ich die Online-Inhalte? Wie gestalte ich die Präsenz?

    Bei der Beantwortung dieser Fragen sollen die folgenden Inhalte helfen, indem sie Gestaltungmöglichkeiten im Rahmen des ICM aufzeigen. Die konkrete Umsetzung eines IC-Szenarios ist natürlich immer abhängig von Thematik, Teilnehmerzahl, Raumbedingungen, Zeitrahmen etc. des jeweiligen Kurses, sodass aus den zahlreichen Möglichkeiten die passende Methode für Ihre LV ausgewählt werden muss. Unten finden Sie ein ausführliches Fallbeispiel aus der Japanologie als Video und weitere Fallstudien zu IC-Szenarien aus unterschiedlichsten Fachbereichen in Textform, die in einer Tabelle gegenübergestellt sind, sowie eine Sammlung von Gestaltungsmöglichkeiten im Überblick.


    Planung, Umsetzung & Auswertung der LV "Japanische Grammatik" (Annette Hansen)



  • 3. Gestaltung der Out-of-Class-Phase


    Nun zum entscheidenden Schritt für die Umsetzung eines IC-Szenarios: die Gestaltung der Out-of-Class-Phase. In erster Linie - neben Texten, Graphiken, Audios etc, die ebenfalls in die Online-Lernumgebung eingebunden werden können - stützt sich diese auf Lehrvideos, die die Lehrenden den Studierenden online zur Verfügung stellen, um den inhaltlichen Input vor der Präsenzphase zu ermöglichen. Lehrvideos allein machen jedoch noch keine effektive Online-Lernumgebung. Zum Einen sollten die Videos bestimmte Gestaltungskriterien erfüllen (adäquate Länge, ansprechende Präsentation der Inhalte, den Inhalt unterstützende Darstellungsformen etc.) und zum Anderen sollten sie im Optimalfall von Fragen, Übungsblättern oder ähnlichem begleitet werden, um den Lernprozess der Studierenden zu unterstützen. Neben einfachen Übungsblättern oder kurzen Quizzes gibt es auch hier viele unterschiedliche Möglichkeiten, um den Lernprozess out-of-class sinnvoll zu begleiten und die Auseinandersetzung mit den Inhalten bei den Studierenden anzuregen (siehe 4. Tools).


    1. Allgemeines. Wie eine solche effektive Online-Umgebung aussehen kann und wie man vermeidet, dass sich die Studierenden von den Lehrvideos "berieseln lassen", sind die zentralen Fragen, die sich viele Lehrende vor der Umsetzung eines IC-Szenarios stellen. So war dies auch Thema im Gespräch mit Frau Hansen, Dozentin für japanische Sprache am OAW-Institut der RUB, die im WS15/16 Ihren Japanisch-Grammatikkurs umgedreht und sich im Vorfeld genau diese Fragen gestellt hat:


    Zwei zentrale Fragen zur Gestaltung der Lehrvideos (Annette Hansen, eScouts)




    2. Lehrvideos. Je nach Anforderungen der Lehrveranstaltung, persönlichen Vorlieben der Lehrenden und technischen Gegebenheiten können die Lehrvideos unterschiedlicher Art sein. Die einfachste Möglichkeit ist, Ausschnitte aus vorhandenen Vorlesungsaufzeichnungen zu verwenden (1.Video), wobei es sich eher empfiehlt, speziell für bestimmte Themenbereiche jeweils kurze Videosequenzen zu erstellen. Software wie OfficeMix (ein Add-On für PowerPoint) oder Adobe Captivate ermöglicht z.B. die eigene PPT automatisch und unkompliziert aufzunehmen und zu besprechen (2.Video), während ein aufwendigeres Studio mit Greenscreen natürlich noch weitere Möglichkeiten eröffnet, aber kostenaufwendiger ist. Wer es gerne kreativ mag, kann sich beispielsweise auch an Videos mit gezeichneten Elementen versuchen, wie die FraMediale-Gewinner des Schreibzentrums an der Goethe-Universität Frankfurt (3.Video).



    Vorlesungsausschnitt (Christian Spannagel)



    Screencast (Jörn Loviscach)




    Lehrvideo mit gezeichneten Elementen (Uni Frankfurt)



    3. Online-Umgebung. Neben der reinen Inhaltsvermittlung kann die Online-Lernumgebung darüber hinaus für den Austausch zwischen den Studierenden und die Dokumentation ihrer Lernfortschritte genutzt werden. So kann man beispielweise ein Forum einrichten, in dem sich die Studierenden über das Gelernte austauschen und Verständnisfragen stellen können, Quiz-Fragen einbinden, mithilfe derer die Studierenden selbst, aber auch die Lehrenden ihren Lernfortschritt überprüfen können, oder ein Wiki zur Verfügung stellen, in dem alle Studierenden ihr Wissen über das jeweilige Thema zusammentragen können. Solche Tools dienen dazu, das eigenverantwortliche Lernen kommunikativer und strukturierter zu gestalten, was wiederum einen Mehrwert für das Lernen haben kann, wenn sie sinnvoll eingesetzt werden. Im Folgenden sind die wichtigsten Informationen über einige Tools in Schrift und Bild zusammengefasst, die sich besonders gut für ein IC-Szenario eignen. Zudem finden Sie unten ein Beispiel für eine Online-Lerneinheit, die Videosequenzen mit Quiz-Fragen kombiniert.



    Nützliche Tools für die Gestaltung der Online-Phase

  • 4. Tools zur Erstellung von Lehrvideos

    In Bearbeitung.
    • 5. Gestaltung der In-Class-Phase


      Anders als in einer typischen Vorlesung wird die Präsenzveranstaltung im IC zur gemeinsamen, aktiven Auseinandersetzung mit Inhalten genutzt, was einer anderen Art der Vorbereitung als bei einem klassischen Lehrvortrag bedarf. Selbstverständlich ist die konkrete methodisch-didaktische Gestaltung der Präsenzveranstaltung stark abhängig von den gegebenen Bedingungen hinsichtlich Gruppengröße, Räumlichkeiten, Zielgruppe, Thematik und Zielsetzung der Vorlesung, sodass im Vorhinein ein genauer Plan ausgearbeitet werden muss, welche didaktische Vorgehensweise zu den Inhalten sowie den Teilnehmenden des Kurses passen und welche zeitlichen sowie räumlichen Rahmenbedingungen herrschen.

      Um einen Überblick darüber zu geben, wie eine solche, auf Lernende zentrierte Präsenzveranstaltung im IC aussehen kann und worauf man bei der Planung achten sollte, sind hier einige Videos und Artikel zusammengestellt, die verschiedene methodische und didaktische Herangehensweisen für unterschiedliche Lerngruppen aufzeigen. Das erste Video zeigt eine Beratungssequenz von uns eScouts, in der wir gemeinsam mit Frau Hansen, Dozentin für Japanische Sprache am OAW-Institut der RUB, zwei grundlegende Fragen zur Gestaltung der Präsenzphase thematisieren. 


      Zwei grundlegende Fragen zur Präsenzphase (Annette Hansen, eScouts)



      Interaktivität In-class (Jürgen Handke)



      Das Aktive Plenum (Christian Spannagel)


      Umgang mit Großgruppen (Christian Spannagel)




    • 6. Wirksamkeit des ICM


      Was bringt es schließlich, eine klassische Vorlesung gemäß des ICM umzuwandeln? Welchen Mehrwert hat dies für die Lehre allgemein und für die Studierenden sowie die Lehrenden ganz konkret? Welche Herausforderungen sind auf dem Weg dahin zu meistern?

      In den untenstehenden Videos und Artikeln werden die großen Chancen dargelegt, die das ICM für die Hochschullehre bietet und welche positiven Effekte durch die Umsetzung von gut geplanten IC-Szenarien zu erwarten sind. Genauso wird aber - sowohl aus der Sicht der Lehrenden als auch aus der Sicht der Studierenden - auf die Herausforderungen eingegangen, die mit der Planung und Umsetzung eines IC-Szenarios einhergehen.

      Außerdem finden Sie unten eine Präsentation zu den Evaluationsergebnissen der LV "Japanisch Grundstufe I - Grammatik", die von Frau Annette Hansen im WS15/16 im IC-Format unterrichtet und von unserem eScouts-Team evaluiert wurde. Die Evaluationsergebnisse dienen zur ersten Einschätzung der Lerneffekte einer Lehrveranstaltung im IC-Format und geben Einblicke in die studentische Sicht auf das Konzept.


      Herausforderungen und Chancen von eLearning  aus Lehrendensicht (Jörn Loviscach)



      Das ICM aus studentischer Sicht (FH St. Pölten)



      Evaluationsergebnisse zur LV "Japanische Grammatik" als IC (Annette Hansen)

    • 7. Infosammlung und Weiterbildungsangebote


      Wenn Sie sich über das obenstehende Angebot hinaus noch eingehender mit dem ICM beschäftigen möchten, finden Sie unten nicht nur kompakte Darstellungen der wichtigsten Informationen zum Konzept, sondern auch Verweise auf weiterführende Literatur und andere Online-Angebote rund ums Thema.


      ICM-Tagung "Inverted Classroom and beyond 2016" (FH St.Pölten)


    • 8. ICM an der RUB

      Nun haben Sie gesehen, wie sich das ICM im Hochschulkontext allgemein gestalten lässt - doch wie steht's mit konkreten IC-Szenarien an der RUB


      eScouts Banner


      In nahezu jedem Fachbereich kann man - bisher vor allem auf Seminar-Ebene - Lehrmethoden finden, die dem ICM von der Grundidee her sehr nahekommen. So ist es in den Geisteswissenschaften üblich, dass die Studierenden dazu angehalten werden, ausgewählte Literatur im Vorfeld eines Seminars zu lesen, um die Präsenzzeit für die intensive Auseinandersetzung mit den Inhalten zu nutzen. Wieso also nicht auf dieser bewährten Methode aufbauen und die technischen Möglichkeiten der Digitalisierung sowie die Erkenntnisse der modernen Didaktik nutzen, um diesen Ansatz auch auf klassische Vorlesungen zu übertragen und das Lehren und Lernen an der RUB noch innovativer und effektiver zu gestalten?

      Wir eScouts vom RUBeL-Team haben uns genau das zum Ziel gesetzt - gemeinsam mit interessierten Lehrenden neue digitale Lehrkonzepte zu erproben, zu unterstützen und zu etablieren. Dabei kann auf bereits geplanten Konzepten aufgebaut, aber auch gemeinsam ein ganz neues Projekt initiiert werden.

       

      Workshop zum ICM im Rahmen der Tagung Digitalisierung in Lehre und Studium an der RUB 

       

      Im Rahmen der RUB-internen Tagung Digitalisierung in Lehre und Studium am 15. November 2016 bot der Workshop ICM Raum für einen regen Meinungs- und Erfahrungsaustausch zwischen interessierten Lehrenden und Studierenden. Gemeinsam sind wir den Fragen nachgegangen, ob und wenn ja, inwiefern und unter welchen Bedingungen das Konzept die Qualität der Lehre an der RUB verbessern kann. 

      Für alle, die den Workshop nochmal revue passieren lassen möchten oder an dem Tag nicht dabei sein konnten, haben wir die zentralen Aussagen und gewonnenen Erkenntnisse nachfolgend dokumentiert. 

      Herzlichen Dank nochmal an dieser Stelle den Referentinnen Annette Hansen und Prof. Nikol Rummel für den wertvollen Input sowie den zahlreichen Teilnehmerinnen und Teilnehmern für die anregenden Diskussionen und Arbeitsergebnisse!