Sozialisation kann als Prozess beschrieben werden, in dem Heranwachsende in die Gesellschaft integriert werden und dabei ihre Identität herausbilden. Ein Aspekt ist dabei die Verinnerlichung sozialer Werte und Normen beziehungsweise die Aneignung relativ dauerhafter Wahrnehmungs- und Bewertungsdispositionen. Aus dieser Perspektive lassen sich auch Aspekte und Auswirkungen von Migrationsbewegungen betrachten. Die aktuelle Situation von Asylsuchenden und der darum stattfindenden Diskurs kann hierzu unter dem Begriff der "Flüchtlingskrise" exemplarisch angeführt werden. Führt diese bei den einen zu einem Gefühl von Angst und Abwehr, weckt er in anderen ein Bedürfnis helfen zu wollen. Interessant ist dabei, dass in aller Regel beim Reden und/oder der Reflexion über diese "Flüchtlingskrise" die Kategorien Nation, Ethnie und Kultur einen erhöhten Stellenwert erhalten. Mecheril spricht in diesem Zusammenhang von einer natio-ethno-kulturellen Zugehörigkeitsnorm, entlang derer zwischen einem Wir und einem Nicht-Wir bzw. den Anderen/den Flüchtlingen unterschieden wird.
Wie beeinflusst diese Norm nun unser Denken und Verhalten? Wo lässt sich diese Norm gar in institutionellen Strukturen wiederfinden? Um uns diesen und weiteren Fragen zu nähern, wollen wir uns im Seminar zunächst mit (Trans-)Migrationsprozessen auseinandersetzen. Welche Migrationsbewegungen lassen sich beobachten und vor welchen Hintergründen finden diese statt? In einem zweiten Schritt werden wir dann "den Migranten" als hegemoniales Zuschreibungsmuster und die in diesem Kontext verortete "kulturelle Identität" kritisch reflektieren. Zentral wird dabei immer wieder die kritische Auseinandersetzung mit den eigenen Wahrnehmungsmustern sein. Im Anschluss daran wollen wir insbesondere institutionelle und diskursive Ordnungen am Beispiel Schule in den Blick nehmen.