Im erziehungswissenschaftlichen Kontext begegnet uns das Phänomen Migration stetig. So treffen wir in den verschiedensten Berufsfeldern auf "ausländische" Jugendliche, Jugendliche mit "Migrationshintergrund", Unbegleitete Flüchtlinge oder auch Kolleg_innen mit "Migrationshintergrund", welche uns für die Arbeit mit den eben genannten Gruppen besonders geeignet erscheinen. Proklamiert wird hier eine kulturelle Andersartigkeit, die ein grundsätzlich zu bearbeitendes Problem für die Pädagogik sei. Aktuell stehen in diesem Zusammenhang vor allem Flüchtlinge im Fokus medialer Aufmerksamkeit und pädagogischer Professionalität. Nach genauerem Hinsehen, löst sich der beschriebene "Kulturkonflikt" zumeist in bekannten Problemlagen auf. So ist etwa der erhöhte Gewaltanteil in einschlägigen Großstadtvororten nicht auf irgendeinen Migrationszusammenhang zurück zu führen, sondern Ausdruck sozialer Deprivation.

Wieso aber greifen wir immer wieder auf das Erklärungsmuster "Kultur" zurück? Und warum ist es so anschlussfähig im öffentlichen Diskurs? Um uns diesen und weiteren Fragen zu nähern, wollen wir uns im Seminar zunächst mit (Trans-)Migrationsprozessen auseinandersetzten. Welche Migrationsbewegungen lassen sich beobachten und vor welchen Hintergründen finden diese statt? Im Anschluss daran wollen wir insbesondere institutionelle und diskursive Ordnungen in den Blick nehmen. Warum assoziieren wir etwa mit Islam und Frau schnell Kopftuch und Unterdrückung, Frauen im Westen aber nicht mit Religion sondern mit Demokratie und Freiheit? In einem zweiten Schritt werden wir dann "den Migranten" als hegemoniales Zuschreibungsmuster und die in diesem Kontext verortete "kulturelle Identität" kritisch reflektieren. Zentral wird dabei immer wieder die kritische Auseinandersetzung mit den eigenen Wahrnehmungsmustern sein.